Rürup-Policen
Wie Topverdiener steuerbegünstigt vorsorgen

Erst ein Ladenhüter, könnte die Rürup-Rente eine Blüte erleben. Eine Änderung der Steuerregeln macht die neue Basisrente für Gutverdienende auch als Steuerspar-Variante interessant.

Die Steuereintreiber von Schwarz-Rot können auch anders. Rückwirkend zum 1. Januar 2006 dürfen Vorausschauende, die mit einer Rürup-Rente fürs Alter vorsorgen, die Beiträge anders als bisher in jedem Fall vom ersten Euro an von der Steuer absetzen. "Wer jetzt investiert, kann den kompletten Jahresbeitrag auf einen Schlag einzahlen und steuerlich geltend machen", sagt Andreas Zittlau, Geschäftsführer der Vermögensberatung CPM in Köln. Das sei eine der wenigen Möglichkeiten, vor dem Jahresende noch was zu machen.

Für Selbstständige sind Rürup-Policen besonders attraktiv. Erstens haben Gläubiger ihres Unternehmens bei einer Insolvenz keinen Zugriff auf die Rürup-eingezahlten Beträge, und zweitens ist der Steuervorteil für Unternehmer großzügiger als für Angestellte. So dürfen verheiratete Unternehmer bis zu 40 000 Euro einzahlen und 62 Prozent davon als Sonderausgaben von der Steuer absetzen (siehe Beispielrechnung hier im Special: Steuerbonus mit Rürup). Und das Schöne: Der Steuervorteil wächst von Jahr zu Jahr. Der absetzbare Anteil steigt um je zwei Prozentpunkte, 2007 also zunächst auf 64 Prozent. Damit lässt sich die Steuerlast locker um 25 Prozent und mehr senken. Zittlau: "Da Beiträge jetzt immer vom ersten Euro an absetzbar sind, wird die Rürup-Rente für deutlich mehr Menschen interessant."

Für Rürup-Policen bietet der Markt derzeit zwei Varianten:

- Als klassische Lebensversicherung fährt der Sparer ein gebremstes Risiko bei überschaubaren Renditechancen;

- mit einer Fondspolice fließen die Vorsorgebeiträge in Aktien- und Zinsfonds, die der Kunde meist selber auswählt. Das verspricht über die lange Laufzeit höhere Renditen, gleichzeitig steigt das Risiko, die Schwankungen am Kapitalmarkt stärker zu spüren.

Für Arbeitnehmer oder Freiberufler wie Anwälte oder Ärzte scheint die Rürup-Rente auf den ersten Blick weniger attraktiv: Sie können nicht so viel ansparen, weil das Finanzamt von der maximalen Einzahlung (20 000 Euro) die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zu berufsständischen Versorgungswerken abzieht (siehe Beispielrechnung).

Trotzdem bleibt noch Steuersparpotenzial übrig, das Topverdiener nutzen können. Wenn ihr Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze von 63 000 Euro im Jahr liegt, zahlen sie prozentual weniger in die Rentenkasse ein. Bei ihnen wird also die Lücke zwischen Arbeitseinkommen und staatlicher Rente später noch größer sein als bei anderen. Deshalb ist eine zusätzliche Basisvorsorge sinnvoll - und das gleich doppelt: "Die gesetzliche Rente wird bei vielen heutigen Arbeitnehmern deutlich geringer ausfallen, weil sie nach neuem Recht voll versteuert wird", warnt Achim Dannecker, Steuerberater bei der Kanzlei Gleiss Lutz in Frankfurt. "Der Effekt wird häufig massiv unterschätzt."

Auch Ehepartner können in eine Police einzahlen. So sichern sie dem Alleinverdiener Steuervorteile und sich eine eigene Altersvorsorge. Vermögensberater Zittlau hat einem Mediziner aus Bonn dagegen von der Rüruperei abgeraten - der Mann will womöglich bald ins Ausland, weil ihm die Gesundheitsreform das Leben schwer macht. Wer sich eine neue Existenz aufbauen will, ist auf liquide Mittel angewiesen - da ist Rürup nicht geeignet.

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