Steuern
Schwarzgeld: Aus der Traum

Die Amnestie ist ein Flop. Nur Steuerhinterzieher, denen die Entdeckung droht, kaufen sich von ihrer Schuld frei. Dabei ist das Angebot des Fiskus durchaus fair. Und die Gefahr, dass Schwarzgeldsünder auffliegen, nimmt zu.

Über Autofahrer wacht der heilige Christophorus. Fischer sollen in der Not auf Petrus zählen können, und auf Bergleute haben Anna und Sankt Barbara ein Auge. Steuerhinterzieher erfreuen sich eines noch lebenden Schutzpatrons: Hans Eichel. Der Bundesfinanzminister schützt Steuersünder vor Not und Strafe - wenn diese ein bisschen guten Willen zeigen.

Wer bis zum 31. März 2005 dem Finanzamt seine Verfehlungen der vergangenen zehn Jahre beichtet, kann sich mit einer kleinen Spende von jeder Schuld und damit Strafe befreien.

Der Steueramnestie getaufte Ablasshandel erspart den Sündern eine Menge Geld. Zum Beispiel bei verschwiegenen Zinseinnahmen: Auf sie sind bei einem Geständnis bis Ende dieses Jahres gerade mal 15 Prozent Steuer fällig. Geerbtes Schwarzgeld ist noch billiger zu waschen: Für ein Entgelt von fünf Prozent des Schwarzgeldes ist alles vergeben. Hohe Freibeträge dürfen vorher abgezogen werden.

So günstig kommen geständige Anleger sonst nicht davon. Wer sich vor der Amnestie freiwillig ans Messer lieferte, musste 70 Prozent und mehr beim Fiskus abgeben. Steuernachzahlungen und Strafzinsen fraßen den Großteil des schwarzen Vermögens auf. Schlimmer kommt es noch, wenn die Steuerfahndung einen Steuersünder schnappt: Ihm drohen außer der Nachzahlung Geldbußen und wenn es schlecht läuft bis zu fünf Jahre Haft. Trotz dieser bedrohlichen Aussichten kommt Schutzpatron Eichel mit seinem Angebot bei den meisten deutschen Steuersündern nicht gut an. Nur 273 Millionen Euro sind bis Ende Juli über die Amnestie in die Staatskasse geflossen. Ein großer Ansturm ist weiter nicht zu erwarten. Aus den fünf Milliarden Euro, die Eichel einnehmen wollte, wird nichts. Dieter Ondracek, Vorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, sagt: "Wenn es gut läuft, kommt insgesamt eine Milliarde Euro zusammen." Eine Minisumme im Vergleich zu den geschätzt 350 Milliarden Euro, die Deutsche auf ausländischen Konten gebunkert haben sollen.

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