Selbstanzeige: Alice Schwarzer gesteht Steuerhinterziehung

Selbstanzeige
Alice Schwarzer gesteht Steuerhinterziehung

Alice Schwarzer hat erhebliche Summen in der Schweiz gebunkert, ohne entsprechend Steuern zu zahlen. Nach ihrer Selbstanzeige ist sie schuldfrei, allerdings schimpft sie über die Medien, die darüber berichten.
  • 25

DüsseldorfVielleicht waren es all die Berichte über Uli Hoeneß und andere Steuersünder, die Alice Schwarzer ihr ehrliches Steuerherz wiederfinden ließen: Die Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Emma" hat im vergangenen Jahr eine Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs gestellt.

Schwarzer hatte über viele Jahre hinweg eine „erhebliche Summe“ in der Schweiz gebunkert und die dort angefallenen Zinsen nicht wie vorgeschrieben beim deutschen Fiskus versteuert. Die streitbare Feministin gesteht auf ihrer Website den „Fehler“ ein und erklärt, die Steuern inzwischen nachgezahlt zu haben. Es handle sich um 200.000 Euro plus Säumniszinsen. Darin enthalten sei auch ein Sicherheitspuffer gewesen. Diesen zahlen viele Sünder, damit die Selbstanzeige nicht wegen leicht möglicher falscher Berechnungen unwirksam wird.

Schwarzer outete sich seit langem als scharfe Kritikerin des deutschen Steuerrechts: Das Ehegattensplitting war ihr stets ein Dorn im Auge, weil es Frauen offenbar in die Unselbstständigkeit dränge. Zu den Gründen für das Konto meinte sie: „Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen. So denke ich schon länger nicht mehr.“

Dass der Fall jetzt bekannt wurde, erregt die vermeintliche moralische Instanz allem Anschein nach sehr: Schwarzer gibt sich empört über die Berichterstattung ihres Vergehens: „Meine Steuern sind gezahlt. Also gilt für mich das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis“, erklärt sie auf ihrer Website, nachdem der „Spiegel“ am Sonntagmoren darüber berichtet hatte. Und sie sieht sich als Opfer: „Mit welchem Recht also jetzt diese Denunzierung?“, fragt sie. Das Steuergeheimnis schütze „auch die Dutzenden von Prominenten“, von denen Experten zu berichten wissen. Über keinen von ihnen ist bisher geschrieben worden, obwohl „spektakuläre Namen“ dabei sein sollen. „Aber das gilt anscheinend nicht für mich.“

Ihr Anwalt, der Medienrechtler Christian Schertz, kritisierte die Veröffentlichung als „unerträgliche Verletzung des Steuergeheimnisses und der Persönlichkeitsrechte von Alice Schwarzer“. Eine korrekte Selbstanzeige könne durch „offenbar nicht zu verhindernde Denunzierungen und Durchstechereien“ zu einem „medialen Tsunami für den Betroffenen“ führen, erklärte Schertz auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Dabei ist der Fall Schwarzer keineswegs ein Unikum: Zuletzt wurde intensiv darüber diskutiert, inwiefern Steuerbehörden reuige oder ertappte prominente Steuersünder öffentlich an den Pranger stellen dürfen. Großer Vorteil ist, dass bei intensiver Berichterstattung die Zahl der Selbstanzeigen bisweilen sprunghaft steigt. Allerdings pochen die Prominenten juristisch gesehen zurecht auf das Steuergeheimnis, das öffentliche Vorführungen wie bei Uli Hoeneß und damals beim ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel eher ausschließt.

Auch die intensive Berichterstattung über den ehemaligen Zeit-Herausgeber Theo Sommer zeigt, dass sich auch Prominente aus der zweiten und dritten Reihe keineswegs auf das Steuergeheimnis verlassen dürfen: Auch über Sommers Verurteilung wegen Steuerhinterziehung wurde einiges geschrieben – eben weil er sich auch als moralische Instanz inszenierte.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

Kommentare zu " Selbstanzeige: Alice Schwarzer gesteht Steuerhinterziehung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es darf die Vergünstigung, „Straffreiheit nach Selbstanzeige“, gar nicht erst geben – Ermittler sind im Vorfeld gefragt!
    „Sogenannte Promis leisten ihre Beiträge zum Ansehen bei den Bürgern in abnehmendem Maß“, so die Satiriker in "Leidgenossen zwischen Krummer Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche", AAVAA, 2013. Zur Hinterziehung: Warum sind Mandanten wie Schwarzer, Hoeness, Sommer, Brauner und „Wumzinkel“ bei Star-Anwälten so beliebt? Weil bei Bockwurstverkäufern nicht viel zu holen ist. Da aber der Fiskus gern mit kleinen Zahlenwerten arbeitet, wird die Steuersünde eines Bowu-Verkäufers in vollem Umfang geahndet – dieser kann die Kosten am Ende kaum für eine Audienz im Vorzimmer eines „kleinen“ Rechtsverdrehers tilgen.
    Lustig ist das Journalistenleben, wenn es o. g. Leute gibt.
    Schreibt Schwarzer nun ein Buch? Titel könnten in etwa lauten: „Ich und die Schadenfrohen“. Oder: „Meine Liebe zu Deutschland - in der Schweiz angelegt“.

  • Die über Jahrzehnte moralinsauer-schreibende Alice S. hat nunmehr ihr wahres Gesicht gezeigt und schuld an ihrem persönlichen Debakel sind - wie eigentlich immer bei Ihr - DIE ANDEREN !

  • Sehr geehrte Frau Schneider,
    sehr geehrter Herr Hagen,
    endlich wird das Thema wieder aufgegriffen.
    In der Schweiz ist es wie bei einem Eisberg, 7/8 liegen unter der Wasseroberfläche. Das wichtigste aber wäre es die Schweizer Banken an die Leine zu nehmen und den Devisenkurs abzuschaffen.
    Denn wie kann es sein, das ein Land von der Größe Hessens die Währung von führenden Wirtschaftsnationen ins Minus und diese gleichzeitig in die Krise stürzt.
    Ich habe ein E-Mail an die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel geschickt, leider ohne Antwort.
    Ich würde es Ihnen gerne zukommen lassen.
    Bitte geben Sie mir Ihre E-Mailadresse.
    Ihr Bericht ist gut und sollte regelmäßig aktualisiert werden.
    Ich verbleibe bis zum nächsten Kontakt
    mit freundlichem Gruß

    P. Werner Tel.03722-402530
    Mail- p.werner@iuw-Beratung.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%