Serie: Die Folgen der Abgeltungsteuer
Der Fiskus greift häufiger zu

Seit diesem Sommer ist es beschlossene Sache: Steuerfreie Kursgewinne gehören bald endgültig der Vergangenheit an, zumindest bei neu gekauften Papiere. Denn am 1. Januar 2009 tritt eine Abgeltungsteuer auf Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne in Kraft. Worauf sich Anleger einstellen müssen.

FRANKFURT. Mit der neuen Abgeltungsteuer müssen Anleger - egal ob Vermögende, Gutverdiener oder Kleinanleger - einen einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent auf sämtliche Kapitaleinkünfte und Veräußerungsgewinne zahlen, plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer sind es rund 28 Prozent. Dafür entfällt die Spekulationsfrist, nach der Kursgewinne bislang nach zwölf Monaten steuerfrei sind.

Auf die Anleger kommen dadurch erhebliche Mehrbelastungen zu, denn bislang konnten sie Erträge aus Aktien, Fonds und den meisten Zertifikaten nach einem Jahr steuerfrei kassieren. Auch Dividenden müssen dann voll versteuert werden - das so genannte Halbeinkünfteverfahren, bei dem der Aktionär bislang nur die Hälfte der Dividendenauszahlung mit seinem persönlichen Steuersatz versteuert hat, wird gestrichen. Durch diese Maßnahmen sei eine weitere Abwanderung hiesiger Kleinanleger vom Aktiensparen vorprogrammiert, warnen Volkswirte der Helaba in einer aktuellen Studie zu den Folgen der Abgeltungsteuer. "Die neue Steuer ist für die Aktienkultur schädlich", kritisiert auch Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI).

Die Bundesregierung will mit der Abgeltungsteuer zum einen die Besteuerung aus Kapitaleinkünften vereinfachen und zum zweiten ins Ausland abgewanderte vermögende Steuerzahler zurückholen, die bislang ihre Zinsen hier zu Lande nicht mit dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent plus drei Prozent Reichensteuer plus Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent sowie Kirchensteuer belastet sehen wollten.

Unter dem Strich dürften Experten zufolge durch die neue Steuer aber bereits Durchschnittsverdiener stärker belastet werden als bisher. Denn der Fiskus greift künftig mehr Bürgern in die Tasche - und das direkt an der Quelle. Banken, Sparkassen und Fondsgesellschaften werden quasi zum kleinen Finanzamt: Sie behalten ein Viertel der Erträge gleich ein, die sich übers Jahr auf Konten, Depots oder in Fonds angesammelt haben. Die Steuern überweisen sie dann direkt an das Finanzamt - anonym und ohne Nennung des Kontoinhabers.

Ausnahmen gibt es für Anleger, deren persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt. Sie können sich zu viel einbehaltene Steuer über die Einkommensteuererklärung wieder zurückholen. Alle anderen Anleger müssen sich um den Posten Kapitalerträge in ihrer Steuererklärung nicht mehr kümmern. Positiv ist, dass Kapitalerträge dann auch nicht mehr in die Berechnung der Einkommensteuer einfließen, so dass wegen der geringeren Progression der Steuersatz für das restliche Einkommen gemindert wird. Übrigens: Kirchensteuern können die Finanzinstitute nur einsammeln, wenn der Kunde ihnen seine Konfession mitgeteilt hat. Aus Datenschutzgründen darf die Bank nicht nachfragen.

Seite 1:

Der Fiskus greift häufiger zu

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%