Serie: Die Folgen der Abgeltungsteuer
Eine kleine Renaissance

Die Lebensversicherung ist als Geldanlage gegenüber den beliebten Fonds zusehends ins Hintertreffen geraten. Die Einführung der Abgeltungssteuer jedoch bietet wieder einen Vorteil für Policen - unter bestimmten Umständen bleiben diese nämlich schlichtweg davon verschont.

DÜSSELDORF. Für die deutschen Lebensversicherer ist die Abgeltungsteuer fast so etwas wie eine späte Entschädigung: Während die Unternehmen seit einigen Jahren unter der Streichung von Steuerprivilegien leiden, können sie in Zukunft gegenüber der Fondsbranche wieder punkten. Denn die klassische Kapitallebensversicherung bleibt - vorausgesetzt, es kommt bis zur endgültigen Einführung der Abgeltungsteuer zu keinen größeren Änderungen der aktuellen Pläne - von der neuen Steuer verschont.

Für Sparer ist dies jedoch nur ein schwacher Trost. Immerhin wurden die Steuervorteile bei den Lebensversicherungen bereits zum Jahreswechsel 2004/2005 deutlich eingeschränkt. Seither und auch in Zukunft gilt für sämtliche Neuverträge: Nur noch bei Versicherungen, die später als private Renten ausgezahlt werden, ist die Besteuerung günstig. Hier müssen die Versicherten - wie bei der gesetzlichen Rente auch - nur den Ertragsanteil, also den Überschuss zwischen Einzahlungen und Auszahlung, versteuern.

Soll der angesammelte Betrag jedoch beim Auslaufen der Police komplett in einer Summe ausgezahlt werden, schlägt der Fiskus bei Verträgen, die nach 2004 abgeschlossen wurden, kräftig zu. Die Abgeltungsteuer fällt zwar nur an, wenn die Police vorzeitig gekündigt wird, ansonsten muss der Versicherungsnehmer die Auszahlungen zu seinem persönlichen Steuersatz ansetzen. Allerdings bleibt auch bei dieser Variante ein kleiner Vorteil: Falls der Versicherungsnehmer über 60 Jahre alt ist und der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief, gilt auch bei der Kapitalzahlung weiterhin das von Aktien bekannte, sogenannte Halbeinkünfteverfahren. Danach muss nur die Hälfte der Summe tatsächlich versteuert werden.

Nach Einführung der Abgeltungsteuer wird genau dieser Steuervorteil eine Seltenheit sein. Immerhin gilt mit dem Inkrafttreten der neuen Abgabe dann für die Neuanlage in Aktien, Renten oder Zertifikate: Anleger müssen ihre Erträge aus Kapitalanlagen pauschal mit 25 Prozent versteuern - zuzüglich Solidaritätszuschlag und gebenenfalls Kirchensteuer. Dieser Satz gilt dann einheitlich für Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gleichzeitig werden die noch gültige Spekulationsfrist, nach der Kursgewinne bisher nach einem Jahr steuerfrei sind, und eben das Halbeinkünfteverfahren bei diesen Produkten gestrichen.

Auch wenn in diesem Punkt die Lebensversicherungen in Zukunft im Vergleich besser dastehen, sind sie nicht automatisch immer die beste Wahl. "Die teilweise hohen Gebühren bei einigen Policen können den Steuervorteil im Vergleich zu anderen Anlagenformen leicht wieder aufbrauchen", sagt Norbert Ras, Geschäftsführer der Legal & General Deutschland Service in Köln. So haben Berechnungen von Legal & General beispielsweise ergeben, dass unter Berücksichtigung der Kosten zahlreiche Policen auch nach der neuen Besteuerung langfristig kaum besser abschneiden sollten als vergleichbare Fondssparpläne.

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