Skandal um deutsches Schwarzgeld in Liechtenstein
Hunderte weitere Steuersünder müssen zittern

Die Steueraffäre um Schwarzgeldkonten in Liechtenstein weitet sich möglicherweise aus: Dem Landgericht Rostock liegen seit Freitag Belege für rund 1 850 bisher unbekannte Konten deutscher Steuersünder vor.

ap FRANKFURT/M. Hunderte weitere Steuersünder mit Schwarzgeld in Liechtenstein stehen vor ihrer Enttarnung. Eine Strafverteidigerin überreichte dem Rostocker Landgericht zahlreiche Hinweise auf bisher unbekannte Konten deutscher Kunden, wie die Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur AP bestätigte. Die „Frankfurter Rundschau“ sprach von 1 850, der „Spiegel“ von 1 600 betroffenen Geheimkonten bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB).

Auf den meisten dieser Konten sollen Millionenbeträge liegen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ weisen die Belege einen Vermögenswert von insgesamt gut drei Mrd. Euro aus. Damit dürfte der Skandal um im Fürstentum verstecktes Schwarzgeld neue Dimensionen erreichen. Viele der Kunden sollen in Süddeutschland und dem Rheinland wohnen; es sollen zahlreiche Mediziner darunter sein.

Zunächst werde geprüft, ob die Zinsen in Deutschland versteuert worden seien, sagte Staatsanwalt Peter Lückemann der AP. Dieser Gedanke liege aber eher fern. „Falls das Geld nicht versteuert wurde, haben wir den Anfangsverdacht der Steuerhinterziehung. Dann schalten wir die Steuerfahndungsstelle ein.“ Anders als bei den Schwarzgeld-Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft wolle man mögliche Razzien den örtlich zuständigen Ermittlern überlassen.

Mit dem bekannteren Fall um illegale Stiftungen bei der liechtensteinischen LGT-Bank, in dem die Bochumer Staatsanwaltschaft unter anderem gegen Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel ermittelt, steht der Rostocker Fall nicht in Verbindung. Allerdings gibt es eine wichtige Gemeinsamkeit: Auch im Fall der LLB sollte mit heimlichen Kopien brisanter Interna Kasse gemacht werden.

Geheim-Dossier umfasst 600 Seiten

Seit April müssen sich vor dem Rostocker Landgericht drei Angeklagte verantworten, die versucht haben sollen, die LLB und Kunden der Bank mit 2 300 Belegen zu erpressen. Im Juli 2005 sollen die Angeklagten 13 Mill. Euro in drei Raten gefordert haben. Um einen Imageschaden zu verhindern, zahlte die Bank laut Staatsanwaltschaft für ein erstes Daten-Paket umgerechnet rund neun Mill. Euro in zwei Raten.

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