Stärkere gesetzliche Regulierung wird abgelehnt
Die Angst vorm Prüfer als Spion

Die Handelsblatt-Umfrage bei den größten deutschen Kapitalgesellschaften belegt: Die Wirtschaftsprüfer haben das Vertrauen ihrer Kunden verspielt. Nach den Bilanzskandalen von Enron, Ahold und Parmalat geraten die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften weiter unter Druck. Auch deutsche Kapitalgesellschaften, die zu den Kunden der Wirtschaftsprüfer zählen, sind zunehmend alarmiert. Fast die Hälfte der Unternehmen sieht die Rolle der Prüfer kritisch.

DÜSSELDORF. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Handelsblatt-Umfrage unter 1 200 deutschen Kapitalgesellschaften, auf die immerhin 200 antworteten, also 17 Prozent. Danach bewertet nur jeder fünfte Manager die Arbeit der Prüfer als positiv. Die Mehrheit der Befragten fordert von den Wirtschaftsprüfern, sich um ihre Glaubwürdigkeit mehr zu bemühen. Sich selbst sehen die Manager dagegen nicht in der Pflicht. Auch von weiteren gesetzlichen Regelungen versprechen sie sich wenig.

Das Ergebnis der Umfrage bedeutet für die Wirtschaftsprüfer einen weiteren Rückschlag. Die Gesellschaften haben nicht nur das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit verloren, sondern auch das ihrer Kunden. Durch die Bilanzskandale waren die Unternehmen ins Zentrum der Kritik geraten, weil sie die Betrugsfälle nicht verhindert hatten. Das Image von Branchengrößen wie KPMG und Price Waterhouse Coopers ist ramponiert.

In der Handelsblatt-Umfrage stellen viele Manager jetzt konkrete Forderungen an die Wirtschaftsprüfer: Qualität und Glaubwürdigkeit der Prüfung muss wieder steigen. Gleichzeitig sollen sich die Gesellschaften bitte sehr um eine bessere Ausbildung ihrer Prüfer bemühen und dafür sorgen, dass moralisches Verhalten wieder Einzug halte.

Eine stärkere gesetzliche Regulierung lehnt die Mehrheit der Befragten aber ab. Denn diese bedeutet immer gleichzeitig auch Nachteile für sie als Kunden , wenn die Prüfungen umfangreicher und damit auch teurer werden. 57 Prozent der Manager sehen daher keinen Handlungsbedarf beim Gesetzgeber. Starre Regeln seien grundsätzlich nicht geeignet, eine Leistung zu verbessern, so die einhellige Meinung. "Die Qualität einer Prüfung ist abhängig von Persönlichkeit und Fähigkeit eines Prüfers, weniger von gesetzlichen Standards", antwortete etwa der Finanzchef eines süddeutschen Getränkeproduzenten.

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