Steuerberater-Provisionen
„Die Hälfte des Agios war die Regel“

Dreist, aber profitabel: Steuerberater vermitteln für Banken Steuersparfonds – und kassieren heimlich Provision: Im Interview erklärt Anwalt Dietmar Kälberer, wie Banken Steuerexperten ködern und welche Sanktionen drohen.
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BerlinHandelsblatt Online: Herr Kälberer, haben Sie davon gehört, dass auch Steuerberater für die Vermittlung von Finanzprodukten Provisionen kassiert haben?
Dietmar Kälberer: Ja, Das ist ein hochinteressantes Thema. Offiziell darf es so etwas gar nicht geben. Dieses Vorgehen gilt als unseriös. Tatsächlich kommen mir derartige Fälle aber immer wieder unter.

Lassen sich die Steuerberater die Provision dann direkt auf ihr Konto überweisen?

Nicht immer. Gern wird auch die Alternative genommen, dass die Provision ein Bekannter oder Verwandter bekommt. Das ist dann später in der Praxis extrem schwer nachzuweisen.  

Ist diese Methode weit verbreitet?

Nein. Ein Großteil der Steuerberater arbeitet sauber. Dennoch habe ich jedes Jahr mehrere derartige Verfahren. Zwischenzeitlich ist bei den Steuerberatern aber das Problembewusstsein enorm gestiegen. Ich hoffe, diese Fälle werden nunmehr weniger.

Wie kam es, dass Steuerberater als Vermittler agierten?

Gerade bei den Beteiligungen mit Steuersparmöglichkeiten wurden Provisionen zwischen zehn und zwanzig Prozent an den Vertrieb gezahlt. Insoweit war es logisch, dass Steuerberater gern von Vermittlern eingeschaltet wurden. Die Steuerberater saßen ja quasi an der Quelle.

Ist das immer noch so?

Ja. Steuerberater werden auch heute noch vom Vertrieb extrem hofiert. Dies ist ja an sich auch nicht schlimm. Problematisch wird es erst, wenn verdeckte Provisionen, sogenannte Kickbacks, angeboten werden.

Was konnten Steuerberater hier verdienen?

Die Hälfte des fünfprozentigen Agios war bei unerfahrenen Steuerberatern die Regel. Soweit Steuerberater die tatsächliche Höhe der Provisionen gekannt hatten, gab es durchaus auch eine 50-prozentige Beteiligung.

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