Steuererklärung 2011
Warum sich die Steuererklärung auszahlt

Viele Arbeitnehmer müssen keine Steuererklärung abgeben, doch die Mühe lohnt sich trotzdem. Wer beispielsweise hohe Ausgaben für den Beruf oder die Altersvorsorge hatte, kann mit satten Rückzahlungen rechnen.
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DüsseldorfJedes Jahr müssen sich Millionen Deutsche durch die Formulare der Einkommensteuererklärung kämpfen. So will es das deutsche Steuerrecht. Viele Arbeitnehmer bleiben von dieser Pflicht verschont, doch nicht wenige geben trotzdem eine Steuererklärung ab – und das aus gutem Grund.

Für das Steuerjahr 2007 haben knapp zwölf Millionen Steuerpflichtige Geld vom Finanzamt zurückbekommen, im Schnitt 831 Euro. Eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass von diesen Arbeitnehmern, die nicht selbstständig tätig waren, nur rund 4,4 Millionen eine Steuererklärung abgeben mussten, die anderen haben es freiwillig getan. Zur Nachzahlung wurde gut eine Million Steuerpflichtige gebeten.

Handelsblatt Online zeigt in einem mehrteiligen Spezial zur Steuererklärung 2011, wie Arbeitnehmer möglichst viel Geld vom Finanzamt zurückholen, wie sie bei der Erklärung ihrer Steuern vorgehen sollten, was Selbstständige beachten müssen, wie sich Eltern am besten Unterstützung sichern und welche Sonderregeln es für Immobilienbesitzer und Kapitalanleger gibt.

Ein Großteil der Arbeitnehmer muss gar keine Einkommensteuererklärung abgeben. Typischerweise sind dies Alleinstehende, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind. Doch die Pflicht kann schnell eintreten, etwa wenn der Arbeitnehmer Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt, wenn er gleichzeitig bei einem anderen Arbeitgeber anheuert oder heiratet und einer der Ehegatten nach Steuerklasse V oder VI besteuert wird.

Aber auch für jene, von denen der Staat keine Einkommensteuererklärung verlangt, lohnt sich oft die Mühe. „Insbesondere wenn Arbeitnehmer hohe Werbungskosten tragen müssen, ist mit einer Steuererstattung zu rechnen“, sagt Anita Käding, Steuerexpertin vom Bund der Steuerzahler. Und wer die Steuererklärung freiwillig abgibt, kann dies sogar noch vier Jahre nach Ende des Veranlagungszeitraums tun. Bis zum 31. Dezember 2012 können also noch Erklärungen für das Jahr 2008 abgegeben werden.

Der Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von aktuell 1.000 Euro wird automatisch vom Arbeitgeber berücksichtigt, dafür muss niemand extra eine Steuererklärung einreichen. „Die Lohnabrechungssysteme berücksichtigen automatisch jeden Monat ein Zwölftel des Pauschbetrags bei der Berechnung der Lohnsteuer“, erklärt Käding.

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  • Insbesondere Arbeitnehmer in Steuerklasse III sollten die
    Abgabe einer Erklärung in Erwägung ziehen.

    Neu ist ab 2010 vor allem

    die Berücksichtigung der höher abzugsfähigen Kranken-und
    Pflegeversicherungsbeiträge;
    die individuellere Berücksichtigung der sozialversicherungsrechtlichen Situation des Arbeitnehmers;
    die erstmalige Berücksichtigung der Vorsorgepauschale in
    den Steuerklassen V und VI mit dazu korrespondierendem
    Wegfall der Verdoppelung von Höchstbeträgen in
    Steuerklasse III(!!!).

    Dies führt dazu, dass im Vergleich zu 2009 und davor besonders bei Steuerklasse III mit eher niedrigem Arbeitslohn(siehe auch Betriebsrenten) die berechnete
    Vorsorgepauschale deutlich geringer ist und deshalb der
    Lohnsteuerabzug seit 2010 höher ausfällt.
    Korrigieren läßt sich diese Unannehmlichkeit durch die
    Erklärungsabgabe.
    Das weiß das BMF, die Lohnsteuerzahler insbesondere in
    Steuerklasse III hoffentlich auch.

  • ALLE JAHRE WIEDER ...
    Würde man es ironisch sehen, so empfiehlt sich die Einführung des deutschen Steuerrechts in alle europäischen Länder.
    De facto darf es seit Jahren einen Rückerstattungsbetrag dieser Größenordnung eigentlich nicht geben. Die verminderte Steuererhebung ist also offensichtlich nicht gewollt, um dies zu vermeiden.
    Bundesweite Statistiken treffen den Kern der Problematik auch nicht, da es in der Behandlung unterschiedlicher Länder in unterschiedlichen Finanzämtern Steuergerechtigkeit nicht gibt. Hier wäre die bundesweite Überprüfung aller (250) Finanzämter und die rechtlich gesicherte Gleichbehandlung aller Bundesbürger der Weg. Geht auch nicht, da uns allen ja nicht IKEA gehört und uns moralisch die Bildung von Schachtelunternehmen vielleicht nicht liegt.
    Sollte ein Finanzgericht, kann ruhig das Oberste sein, irgendetwas durch Rechtsspruch ändern wollen, gibts in Tages- oder Wochenfrist eine neue Richtlinie des Bundesministeriums für Finanzen.
    Eine Möglichket hier einzugreifen, wäre die Reduktion der Bundesländer in Deutschland, weil dadurch auch die länderspezifischen Finanzministerien mit ihren unsäglichen Anhängseln als Maßstab der Verwirrung reduziert werden könnte.
    (Nehme hier die im Ausland tätigen Under-Cover-Finanzbeamte mal aus)
    Wir haben in Deutschland 33.000 Paragraphen, 30 Bundessteuern und 200 Gesetze. Die durchschaut keiner mehr.
    Aber mit der Idee des Paul Kirchhof und seinem
    "Bundessteuergesetzbuch" (140 €) da könnte ich mich mit anfreunden. Es enthält 1 Gesetz, 4 Bundessteuern und 146 Paragraphen.
    DAS KÖNNTE SO SCHÖN SEIN!

  • Nein, das kann man nicht, denn die Veranlagungsverpflichtung ergibt sich aus den Bestimmungen der Abgabenordnung i.V.m. dem Einkommenssteuergesetz. Über eine Befreiung von der Veanlagung entscheidet i.d.R. das Wohnsitzfinanzamt zunächst b.a.w.. Sollten sich Ihre Einkommensverhältnisse jedoch danach "maßgeblich" ändern, sind Sie auch ohne neuerliche Aufforderung des FA verpflichtet, eine neue Einkommenssteuererklärung formell und innerhalb gültiger Fristen abzugeben. Trotzdem: ...guter Gedanke... ;-)

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