Steuerfahndung
Dichtes Netz für Schwarzgeld-Fang

Warum Steuerfahnder Schwarzgeld in ganz Europa aufspüren können.

Bankgeheimnis hin oder her: Wer in Europa Geld bunkert und dem deutschen Fiskus die Erträge verschweigt, lebt zunehmend riskant - deutsche und ausländische Steuerfahnder arbeiten immer enger zusammen. Besonders ergiebig ist der Datenfluss in der EU: Seit 2005 erfährt der Fiskus automatisch, wenn ein Deutscher in Spanien, Frankreich oder England Zinsen kassiert. So verbuchten Deutsche allein in Spanien 2006 den dortigen Behörden zufolge 152 Millionen Euro Zinsen (siehe Tabelle).

Die EU-Mitglieder Österreich, Luxemburg und Belgien haben eine Ausnahmeregelung durchgesetzt: Statt den deutschen Fiskus zu informieren, zwacken sie von Zinsen deutscher Anleger eine anonyme Quellensteuer von 15 Prozent ab, die "EU-Zinssteuer". 15 Prozent sind aber nur der Anfang: Ab Juli 2008 sind es 20, ab Juli 2011 dann 35 Prozent. Außerhalb der EU halten es etwa die Schweiz, Liechtenstein, Monaco oder die Isle of Man ebenso.

Strategen können die Steuer zwar umgehen, indem sie vor Ort eine Firma gründen oder in spezielle Wertpapiere investieren. Aber EU-Steuerkommissar Laszlo Kovacs arbeitet fieberhaft daran, die Schlupflöcher zu schließen. Und selbst wem es gelingt, mit einem Depot in der Schweiz oder in Österreich der Zinssteuer zu entgehen: Die Gefahr wächst, dass der deutsche Fiskus auch in Ländern ohne automatischen Informationsaustausch von den heimlichen Einkünften erfährt - und dann hohe Steuernachzahlungen plus Strafe fordert.

Denn seit 2006 gelten in der EU neue Rechtshilferegeln, denen zufolge deutsche Steuerfahnder die Kontenabfrage auf andere EU-Staaten wie Österreich ausweiten dürfen. Voraussetzung ist ein Verdacht auf Steuerhinterziehung - das geht schnell angesichts immer ausgefeilterer Fahndungsmethoden.

Selbst in der widerborstigen Schweiz kommen Fahnder bald einfacher an Daten. Denn die Eidgenossen sind bereit, im Falle einer Mehrwertsteuerhinterziehung künftig mit Auslandsbehörden zu kooperieren. Deutsche Fahnder, die Schweizer Daten bisher nur in schweren Betrugsfällen bekamen, freuen sich über ein Einfallstor. Denn gerade mittelständische Steuersünder hinterziehen neben der Einkommen- oft auch die Mehrwertsteuer. Wenn Beamte davon Wind bekommen, wird es eng.

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