Steuerfahndung
Ganz Europa jagt Steuerhinterzieher

Schuldengeplagte EU-Staaten von Großbritannien bis Griechenland rüsten im Kampf gegen Steuerhinterzieher auf - und greifen mit Erfolg zu skurrilen Methoden. Zieht Deutschland nach?
  • 2

DÜSSELDORF. Die britische Regierung spendiert der Finanzbehörde HMRC 900 Millionen Pfund zusätzlich. Das gab der britische Vizepremierminister Nick Clegg am vergangenen Sonntag auf einem Kongress seiner Liberaldemokratischen Partei in Liverpool bekannt. Mit dem Geld soll die Behörde - unter anderem - eine Spezialeinheit aufbauen, die Konten in Offshore-Finanzzentren aufspürt. Cleggs Parteifreund Danny Alexander, der stellvertretende Finanzminister, verkündete: "Wir werden rücksichtslos gegen jene vorgehen, die glauben, Steuern zu zahlen sei lediglich eine Option."

In vielen schuldengeplagten europäischen Ländern greifen die Regierungen derzeit zum selben Rezept: Die Jagd auf Steuerhinterzieher und Schwarzarbeiter soll helfen, die klammen Staatshaushalte zu sanieren.

Beispiel Griechenland: Dort hat Finanzminister Giorgos Papakonstantinou bereits im vergangenen Jahr die Steuerfahndung aufgerüstet. Strafen und Nachzahlungen aufgeflogener Hinterzieher sollten 2010 insgesamt 1,2 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen, doch allein im ersten Halbjahr lieferten die Fahnder bereits 1,8 Milliarden ab. Ihre neue Strategie: Sie spüren Bürger mit luxuriösen Lebensstil auf - und prüfen dann, ob das Luxusleben zu den in der Steuererklärung offiziell deklarierten Einkünften passt.

So suchten die Ermittler in diesem Jahr mit Hubschraubern und mit Google Earth nach Grundstücken mit Swimmingpools. Sie notierten vor Athener Nachtclubs die Kennzeichen von Sportwagen und Luxuskarossen. Und sie nahmen die Yachthäfen unter die Lupe. Manche Besitzer von Pools, Luxusautos oder Yachten gerieten wenig später in Erklärungsnöte, weil sie laut Steuererklärung offiziell bettelarm waren.

Auch die Italiener nehmen derzeit Bürger mit luxuriösem Lebensstil ins Visier und überprüfen beispielsweise gezielt die Eigentümer von Luxusvillen in beliebten Ferienorten. Razzien in Yachthäfen gehören ebenfalls zum Repertoire. Nach einer solchen Aktion in Rom verkündete ein hoher Finanzbeamter vor wenigen Wochen, dass das offizielle Jahreseinkommen bei einigen Besitzern "noch nicht einmal für einen Ankerplatz im Yachthafen" reiche würde.

Seite 1:

Ganz Europa jagt Steuerhinterzieher

Seite 2:

Kommentare zu " Steuerfahndung: Ganz Europa jagt Steuerhinterzieher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Natürlich zieht Deutschland nicht mit. Hier werden doch die besserbetrügenden von der Partei der besserverdienenden gedeckt und geschont. Rechtsstaat heißt hier in Germanien nichts weiter als daß man das Recht kaufen kann, eben auch die Verschohnung beim Steuerrrecht.
    Wie war denn das bei Zumwinkel? bananenrepublick!!

  • Guten Tag,.....Pharisaer. boecke werden zu Gaertnern. besten Dank

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%