Steuerfahndung
Wer redet, hat schon verloren

Als es klingelte, dachte Thomas S. noch an den Postboten. Doch nachdem er die Tür geöffnet hatte, erkannte er sofort den folgenschweren Irrtum. Draußen in der Hauseinfahrt standen mehrere Autos, auf dem Treppenabsatz fünf Männer und einer davon hielt S. ein Stück Papier unter die Nase: "Durchsuchungsbeschluss" stand darauf.

HB DÜSSELDORF. Ein Besuch der Steuerfahndung - dass es sich dabei um eine einschneidende Erfahrung handelt, bestreiten selbst Ermittler nicht. Von "zuweilen traumatischen Erinnerungen" sprechen sogar die Autoren Eckart und Dieter Hild, Strafverteidiger in Frankfurt der eine, Wirtschaftsprüfer bei Rölfs Partner in Düsseldorf der andere. Sie raten: Erst einmal "Schweigen und Nichtstun".

Leichter gesagt, als getan: Bei Thomas S. nahmen sich die Beamten nicht nur die ganze Wohnung vor, gleichzeitig durchsuchten sie auch sein Auto, seine Firma und das Wochenendhäuschen. Und sie nahmen haufenweise Unterlagen mit - Notizbücher, Bankunterlagen, Firmenakten, Safeschlüssel, sogar Briefe und ein Fotoalbum.

Experten wissen: Gerade in solchen Situationen entsteht ein Gefühls-Mix aus Angst, Ohnmacht und Wut, der zu unüberlegtem Handeln verleiten kann. Übergriffe auf die Beamten sind nicht selten, es kommt aber auch zu vorschnellen Aussagen. "Deshalb sollte jeder, der mit dem Besuch der Steuerfahndung rechnen muss, sich bereits im Vorfeld überlegen, wie er im Fall der Fälle reagiert", empfiehlt Jörg Alvermann, Steueranwalt in der Kölner Kanzlei Streck Mack Schwedhelm.

Ganz wichtig werden dürfte dieser Rat im nächsten Jahr - nach Ablauf der Frist für die Steueramnestie. Ab April 2005 erhalten die Fahnder zusätzliche Ermittlungsmöglichkeiten, etwa das Recht, bei einer Zentralstelle abzufragen, wer wo überall Bankkonten unterhält. Aber auch schon jetzt gilt: Stehen die Ermittler erst einmal vor der Tür, ist es für Amnestie oder Selbstanzeige zu spät. Dann hilft nur noch: kühlen Kopf bewahren.

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