Steuerfahndung

Wo jetzt das Schwarzgeld landet

Der deutsche Fiskus verschärft seine Gangart gegen Steuersünder, die Schweiz ist als Steuerparadies nicht mehr sicher. Das Ergebnis des Fahndungsdrucks: Wohlhabende suchen nach neuen Steueroasen - und finden sie.
42 Kommentare

Neuer Schlag gegen Steuerhinterzieher


Einige tausend Vermögende schlafen in diesen Tagen wieder schlecht. Nach verschiedenen Medienberichten soll das nordrhein-westfälische Finanzministerium zwei weitere CDs aus der Schweiz gekauft haben. Die Steuerfahnder können solche Daten nutzen, um mutmaßliche Steuersünder zu entlarven. Diesmal sollen Kunden der UBS betroffen sein. Einige Wochen zuvor waren Anleger der Credit Suisse betroffen. Hinter den Ankäufen steckt Methode. Immer mehr deutsche Steuersünder werden zur Rechenschaft gezogen, weil die Schweiz als Steueroase nicht mehr sicher ist.

Die Summen, um die es hier geht, lassen sich nicht als „Peanuts“ abtun. Eine Studie prognostiziert in diesem Jahr milliardenschwere Verluste für Deutschland durch Steuerhinterziehung im Ausland. So ergibt eine Berechnung des Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität in Linz laut Medienberichten, dass dem deutschen Fiskus 10 bis 15 Milliarden Euro durch ins Ausland verschobene Gelder entgehen. Doch nun wird es eng für Vermögen in der Schweiz. Und die Reise des schwarzen Geldes geht weiter.

Die Schweiz ist nicht mehr sicher

Die neue Marschroute ist schon erkennbar: „Wenn Sie danach fragen, wohin Schwarzgeld wandern wird, so ist unser derzeitiger Eindruck, dass insbesondere Staaten in Fernost hier attraktiv sind“, erklärt Steuerstrafexperte Dr. Rolf Schwedhelm, Partner in der Kanzlei Streck Mack Schwedhelm. Ob allerdings Orte wie Hongkong oder Singapur tatsächlich sichere Häfen für Schwarzgeld darstellen, wagt Schwedhelm zu bezweifeln. Er warnt: „Längst stehen auch diese Staaten im Fokus der Steuerfahndung. Und aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Staaten entsprechende Auskünfte geben werden.“

Seine Kollegen beobachten ähnliches. Steuerexperte Roland Franz meint: „ Der deutsche Bürger wird immer durchsichtiger. Es wird schwieriger, Geldbeträge vor dem Fiskus in Europa zu verstecken. So erklärt sich, warum die asiatischen Länder, insbesondere Metropolen wie Singapur oder Hongkong, eine gewisse Anziehungskraft diesbezüglich haben“. Franz weist auf gewisse praktische Probleme hin: „Wie bekommt man Geldbeträge unerkannt nach Asien?“.

Auch Steuerstrafrechtsexperte Alexander Sommer aus Sindelfingen berichtet: „Derzeit wandert das Geld in weiter entfernte Staaten wie Hongkong, Singapur oder gar China.“ Sommer geht davon aus, „dass zumindest erstere Steueroasen wie Singapur und Hongkong in Zukunft auch von den USA oder der Europäischen Gemeinschaft angegangen werden. So wie es jetzt bei Liechtenstein oder Schweiz der Fall ist“.

Seitens der Deutschen Steuer-Gewerkschaft kommen ähnliche Äußerungen, der Bundesvorsitzende Thomas Eigenthaler bestätigt, dass Fachleute vor allem ein Ausweichen nach Süd-Ostasien erwarten. Eigenthaler: „Dort ist das Rechtssystem und das Bewusstsein nicht so ausdifferenziert wie in Europa. Hier will man noch wachsen und gute Geschäfte machen“.
Schweiz wird unsicher

Der Blick gen Süd-Ostasien hat seinen Grund: Bei der Steuerfahndung steht der schwunghafte Handel mit Daten-CDs zurzeit im Vordergrund. Bisher kommen die gekauften CDs mit den Namen von deutschen Steuersündern hauptsächlich aus der Schweiz und vereinzelt aus Liechtenstein.

Wo Steuerfahnder aktiv werden
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42 Kommentare zu "Steuerfahndung: Wo jetzt das Schwarzgeld landet"

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  • @Charly

    Steuerfahnder bekommen keine Provision. Das sage ich Ihnen als ehemaliger. Provision bekommen die Vollziehungsbeamten, das sind die, die Ihnen die Kennzeichen vom Auto abschrauben wenn Sie die Steuern nicht bezahlt haben.

  • Es gibt noch genügend Spielraum hier in Europa, googelt mal!

  • Stolz..... stolz ein Deutscher zu sein.. Weiter so und ab morgen wird zurückgeschossen.. Heil Dir.....

  • Was ist mit den US Amerikanischen SteuerOassen. Dind die nicht ebenso beliebter geworden?

  • Und irgendwann leben nur noch Hartz4-Empfänger in Deutschland. Das Geld für die druckt dann die EZB. Sie tun geradeso als sei es ein Privileg für einen Leistungsträger die deutsche Staatsbürgerschaft zu haben. Das ist es nur für Schnorrer und Sozialtouristen

  • Ist doch alles lächerlich.
    Wer wirklich Geld hat, verlegt seinen Wohnsitz ins Ausland,
    und verhandeln dort einen genehmen Steuersatz.
    Da gucken die deutschen Spitzelbeamten ganz schön in die Röhre.

  • Genau. So ist das.
    Und die darbenden Wüstenbewohner lechzen dringend nach
    etwas Wasser.

  • Wenn ich mir die AO 1977 anschaue, fallen mir drei Sachen auf:

    - Sie verstößt zum einen gegen das Zitiergebot Art. 19 GG.

    - Sie hat keinen klar definierten räumlichen Geltungsbereich und verstößt soit gegen die Rechtssicherheit:
    "Jedermann muß, um sein eigenes Verhalten darauf einrichten zu können, in der Lage sein, den räumlichen Geltungsbereich eines Gesetzes ohne weiteres feststellen können. Ein Gesetz das hierüber Zweifel aufkommen läßt, ist unbestimmt und deshalb wegen Verstoßes gegen das Gebot der Rechtssicherheit ungültig. (BVerwGE 17, 192 = DVBl 1964, 147)".

    Schaut man sich den § 415 AO an, so stht bein Inkrafttreten: Nichts.
    (http://dejure.org/gesetze/AO/415.html)

    Das nennt man Rechtstäuschung, Betrug und, weil die Gesetze nicht gültig sind, Landes- und Hochverrat.

    Bitte alles selbst prüfen.

    Ganz vergessen. Einfach mal nach den drei Bundesbereinigungsgesetzen (2006, 2007 und 2010)schauen. Es ist noch viel schlimmer (besser). Kommt zu der ganzen Wahlgesetzgeschichte noch hinzu.

    Hier wird es richtig spannend.

    Ihnen ein schönes Wochenende.

  • Guten Tag,... Wiso JETZT;.... Ich bin seit fuenf Jahren nicht mehr taetig. Gleichwohl haben wir jedem " aber auch jedem !" geraten er solle eine St Vincent eine Panamesische oder eine Cayman Island gruenden;..... dies immer ab Betraegen von 2 Millionen Euro. Kostenpunkt Panama um die 3600 Euro pro Jahr. St. Vincent,... um die 2500 und Cayman um die 4000-.... Alles sind Off shore Gesellschaften,... keiner zahlt auch nur einen Cent Steuern. Ich habe dieses ueber 30 Jahre lang als gaengige Praktik erlebt. Es war nicht die Ausnahme sondern die Regel. Wir hatten die Urkunden in Blanco haufenweise in den Schubladen;... es mussten nur die Namen eingetragen werden.Im Uebrigen hatten wir einige sehr bekannte Deutsche als Kunden. Besten Dank

  • Ja, ja, alles stehlen wir von der Erde, jeder Supermarkt und jede Tankstelle ist Hehler von Dingen aus einem Diebstahl.

    Und eigentlich müsste man diesen Paragraphen sofort gegen alle Mitglieder des Bundestag einsetzen, bezüglich dem ESM Entscheid!

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