Steuerhinterziehung
Gefährliche Mitwisser

In Deutschland rollt die größte Fahndungswelle aller Zeiten. Wo der Fiskus aufrüstet und warum jetzt nicht nur reiche Steuerhinterzieher zittern müssen, sondern auch viele Ex-Ehemänner, Arbeitgeber, Nachbarn und Vermieter.
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Auch Karl S. ist dieser Tage ins Visier des Fiskus geraten. Dabei ist er weder reich noch prominent. Sicher, der Rentner vermietet eine Eigentumswohnung und hat sein Erspartes in Aktien und Anleihen angelegt, da kommen ein paar Tausend Euro im Monat zusammen. Aber als das Finanzamt im Februar eine "Betriebsprüfung" ankündigte, fiel der 70-Jährige aus allen Wolken: "Ich dachte, so was machen die nur bei Unternehmen und Millionären."

Weit gefehlt. Die Finanzämter schauen nicht nur bei großen Fischen immer genauer hin. Die Serie von Razzien, die beim mittlerweile zurückgetretenen Post-Chef Klaus Zumwinkel begann und vergangene Woche Hunderte weitere Verdächtige wie Bayerns obersten Datenschützer Karl Michael Betzl erreichte, markiert nur den vorläufigen Höhepunkt der größten Steuer-Fahndungswelle aller Zeiten. In Deutschland läuft eine breit angelegte Offensive gegen Steuersünder auf allen Ebenen der Gesellschaft - vom millionenschweren Stiftungsgründer bis hin zum arbeitslosen Schwarzarbeiter. Und die Bundesregierung hat schon angekündigt, die Gangart weiter zu verschärfen.

Das ist keine leere Drohung. Finanzbeamte werden längst nicht mehr bequem an der Nase herumgeführt, es herrscht Waffengleichheit auf dem Steuer-Schlachtfeld. Wenn die Beamten einmal einen Verdächtigen im Visier haben, dann bleibt ihnen dank ergiebiger Informations- und Datenquellen nur noch wenig verborgen.

Der Skandal um Stiftungen à la Zumwinkel kommt den Fahndern gerade recht. Er wird zahllose weitere Verdachtsmomente liefern - und zwar weit über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus. Steuerfahnder erwarten in den nächsten Wochen eine Flut von Anzeigen gegen Steuerhinterzieher aus allen Teilen der Bevölkerung. Zusätzlich dürfte wachsender Druck aus Berlin, Brüssel und womöglich sogar Washington dafür sorgen, dass Steuerparadiese mehr Daten liefern als jemals zuvor.

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