Steuerhinterziehung
Fahnder spionieren im Internet

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Wen Steuerfahnder ins Visier nehmen


Auch Rolf Schwedhelm, Steueranwalt der Kanzlei Streck Mack Schwedhelm in Köln sieht das ähnlich: „Privatpersonen, die im Internet handeln, müssen zunehmend damit rechnen, dass dieser Handel dem Finanzamt bekannt wird“. Schwedhelm bestätigt: „Die Finanzverwaltung beobachtet schon jetzt regelmäßig den Handel im Internet. Sie wird diese Nachforschungen durch entsprechende Abfragen bei den Internet Blattformen intensivieren.“ Bis hin zur Hausdurchsuchungen könnten solche Abfragen dann führen, so der Experte.

Der Stuttgarter Steuerstrafrechtler Alexander Sommer sieht das ähnlich: „Privatpersonen müssen nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofes, damit rechnen, dass sie sich künftig bei regelmäßigen Verkäufen über eine Internethandelsplattform Nachforschungen der Steuerbehörden ausgesetzt sehen.“ Das Urteil stelle dezidierte Leitlinien auf, auch wenn es noch nicht rechtskräftig sei.

Betroffene könnten sich vor allem nicht mehr hinter einem Pseudonym verstecken, um eine steuerliche Entdeckung zu vermeiden. „Das Pseudonym kann lediglich noch in zivilrechtlicher Hinsicht beispielsweise gegenüber Vertragspartnern oder Arbeitgebern hilfreich sein“, so Sommer.

Nicht nur Online-Verkäufer, auch Geldanleger stehen derzeit im Visier der Steuerbehörden. Das Risiko: Richter haben Sammelanfragen der Behörden gegenüber Banken bereits für zulässig erklärt. „Dort wurde ein hinreichender Anlass darin gesehen, dass die wahren Konteninhaber von der Bank teilweise verschleiert worden sind, indem seinerzeit durch Überweisungen über das zentrale Konto-pro-Diverse-Konto der Bank überwiesen wurde“, sagt Sommer.

Über ein solches Konto konnten die Kunden bislang kaum ermittelt werden. Sommer weiß von laufenden Sammelanfragen, mit denen die Steuerfahnder den Kapitalanlegern auf die Pelle rücken wollen: „Es sind natürlich auch Kapitalanleger, gerade bei Schweizer Banken, jüngst aber auch gerade bei den österreichischen Banken, betroffen“, erklärt der Experte. „Auch insofern laufen bereits versuchsweise Sammelauskunftsersuchen der Steuerfahndung an die entsprechenden Stellen im Ausland“.

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  • PROGRAMM-HINWEIS

    Sorry an alle, ich drängle mich mal in der Kommentarschlange rüde vor, wegen eines Programm-Hinweises bzgl des Themas Überwachungsstaats:

    Heute, Sonntag 11.8. kommt auf Tele5 ein Spielfilm von 1984 mit dem Titel "1984" - die Orwell-Verfilmung.

    Empfehlenswert auf jeden Fall für jeden, der das Buch noch nicht gelesen hat oder prinzipiell lesefaul ist (ob der Film gut ist, weiß ich nicht).

  • So langsam wird es lächerlich.
    Ich nehme an, das HB hat eine kompetente ? juristische Abteilung. Sie sollten sich ganz allmählich mit der Frage "Staatssimulation BRD" auseinander setzen. Dann könnten sie sich solche Artikel sparen und - wirklich wichtig - sich mit Entwürfen für die nachfolgende Neuordnung beschäftigen.

    Mollath ist frei und im übrigen bin ich der Meinung, dass die Morde von Winnenden/Wendlingen am 11.3.2009 aufgeklärt werden sollten.

  • Die spinnen beim Finanzamt! Einerseits ist Hartz4 voll restriktiv mit willkürlichem Zusammenstreichen durch den BetreuerIn. Andererseits wird hier noch jeder, der eine Haushaltsauflösung über Ebay macht noch gleich zum Straftäter gemacht! DDR2 ist krank und gehört BRDigt.

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