Steuerliche Absetzbarkeit
Wie man den Fiskus an privaten Reisen beteiligt

Die Rechtsprechung über die Abzugsfähigkeit von Ausgaben, die sowohl beruflichen wie privaten Zwecken dienen, ist ellenlang und undurchsichtig. Wann darf man die Kosten absetzen, wann nicht? Das Handelsblatt zeigt die häufigsten Streitfälle.
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BERLIN. Unternehmer, Freiberufler oder Geschäftsführer streiten sich hartnäckig mit den Finanzämtern, wie sie etwa eine mit einem Fachkongress kombinierte private Reise in ihrer Steuererklärung angeben können.

Bislang galt für die gemischten Aufwendungen ein Aufteilungs- und Abzugsverbot. Hatte ein Geschäftsführer etwa während einer privaten Reise einen Fachkongress besucht, waren die Flugkosten nicht abziehbar. "Der Fiskus zahlt ab sofort nicht nur öfter was dazu. Es herrscht auch weitestgehend Rechtssicherheit", sagt Andreas Schaflitzl, Partner der Kanzlei Linklaters. Für das Handelsblatt hat der Steuerrechtsexperte die häufigsten Streitfälle zusammengefasst. Schaflitzl erklärt, welche Kosten das Finanzamt zukünftig akzeptieren muss.

Fall 1: Ein Geschäftsführer urlaubt zwölf Tage auf Mallorca und besucht einen Tag ein Fachseminar

Ein gesamter Abzug etwa der Flugkosten kommt hier nicht infrage, da die "betriebliche Mitveranlassung" zu gering ist. Das Seminar macht nur ein Zwölftel der Urlaubszeit aus und ist damit kleiner als die im Anwendungsschreiben geforderte Mindestgrenze von zehn Prozent der Gesamtkosten. Trotzdem kann der Geschäftsführer Aufwendungen als Werbungskosten abziehen, die unmittelbar mit dem Fachseminar zusammenhängen. Darunter fallen die Seminargebühren oder Fahrtkosten vom Urlaubsort zum Tagungsort. Unter Umständen kann es einen Pauschbetrag für Mehraufwendungen geben.

Fall 2: Ein Unternehmer nimmt von Mittwoch bis Freitag an einem Fachkongress als Zuhörer in Rom teil. Samstag und Sonntag schließt er einen Urlaubsaufenthalt ebenfalls in Rom an.

Hier liegt keine untergeordnete betriebliche Mitveranlassung vor, da der Fachkongress drei Fünftel des Aufenthalts ausmacht. Die steuerliche Aufteilung der Flugkosten erfolgt hier nach einem sachgerechten Aufteilungsschlüssel. Hier wären drei Fünftel der Flugkosten betrieblich veranlasst und als Betriebsausgaben abzugsfähig.

Die Kosten der zwei Übernachtungen von Mittwoch bis Freitag, die Kongressgebühren sowie ein Pauschbetrag für Mehraufwendungen sind ausschließlich dem betrieblichen Bereich zuzuordnen und ebenfalls als Betriebsausgabe abzugsfähig. Sofern die Teilnahme als Mitveranstalter erfolgt, sind die Kosten für die Hin- und Rückreise sogar vollständig dem betrieblichen Bereich zuzuordnen.

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