Steuern
Höhere Abschreibungen auf das Haus im Süden

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshof dürfen vermietete Immobilien innerhalb der EU in Zukunft deutlich höher als bislang abgeschrieben werden. Das Urteil steht in einer Reihe von Entscheidungen, die die Rechte des Steuerzahlers gegenüber dem Fiskus stärken.
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Der Europäische Gerichtshof (EuGH) mischt sich zunehmend in die deutschen Steuergesetze ein. Meist gehen die Urteile mit Verweis auf geltendes EU-Recht pro Steuerzahler und gegen den Fiskus aus. So gibt es jetzt die Eigenheimzulage für die Finca in Spanien, mit der Riester-Rente lässt sich das Haus in der Toskana finanzieren, Mietverluste aus der finnischen Sommerresidenz mindern das inländische Einkommen, und das geerbte Bergdomizil in Salzburg wird genau so behandelt wie die hinterlassene Immobilie in Garmisch-Partenkirchen.

Aktuelles Beispiel ist ein Urteil von Mitte Oktober 2009 (Rs. C-35/08), womit der EuGH seine Rechtsprechung zu Auslandsimmobilien nahtlos fortsetzt. Hiernach dürfen vermietete Immobilien innerhalb des Gemeinschaftsraums degressiv und damit deutlich höher als bislang abgeschrieben werden.

Die degressive Abschreibung (AfA) auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten gilt nach dem Einkommensteuergesetz nur für im Inland gelegene Immobilien. Das sind im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden neun Jahren jeweils vier statt der zwei Prozent bei der linearen AfA.

Verstoß gegen die Kapitalverkehrsfreiheit

Der EuGH musste über eine in Spanien gelegene vermietete Immobilie entscheiden. Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland sind die dort erzielten Einnahmen aus der Vermietung im Inland steuerpflichtig. Bei Anwendung der degressiven AfA würde der Überschuss geringer und ein Mietverlust höher ausfallen.

Nach Ansicht der Richter aus Luxemburg wird durch die Vorverlagerung von Abschreibungen lediglich eine Steuerstundung erreicht. Doch selbst wenn der Vermieter die Immobilie lange genug behält, um die gesamten Anschaffungs- oder Herstellungskosten vollständig abzuschreiben, ändert dies nichts daran, dass er im Unterschied zu einem inländischen Grundstück nicht in den Genuss einer sofortigen Berücksichtigung des höheren anfänglichen Abschreibungssatzes kommen kann. Damit wird ihm ein Liquiditätsvorteil vorenthalten und die steuerliche Situation für eine im Ausland gelegene Immobilie ist weniger günstig, als wenn sich das Objekt in Deutschland befinden würde.

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