Steuern sparen mit Strafzins?
Negativzinsen sind keine Verluste

Bislang verlangen nur wenige Banken Strafzinsen auf große Spareinlagen. Doch der Fiskus schützt sich bereits gegen mögliche Erstattungsansprüche – indem er den negativen Zinsen einen neuen Namen gibt.
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FrankfurtNoch sind negative Zinsen auf Spareinlagen in Deutschland die Ausnahme. Trotzdem hat sich jetzt das Bundesfinanzministerium damit beschäftigt. Für das, was der Volksmund als Strafzinsen bezeichnet, haben die Beamten einen neuen Begriff gefunden: Wirtschaftlich gesehen, so heißt es in einem aktuellen Schreiben des Ministeriums, handle es sich „um eine Art Verwahr- oder Einlagegebühr“.

„Na, und?“, werden sich die meisten Anleger nun denken. Schließlich ändert der Begriff nichts an der Tatsache, dass die Bankguthaben geschrumpft werden – und zwar nicht nur real durch die Inflation, sondern nun auch durch diese Gebühr. Tatsächlich geht es aber nicht nur um eine Vokabel, sondern um die Frage, wie Finanzbeamte diese Gebühren bei der Steuererklärung verrechnen sollen. Die Antwort des Ministeriums ist enttäuschend: gar nicht.


Der Grund: Es handle sich nicht um Zinsen im Sinne des Steuergesetzes. Das Ministerium schreibt, die negativen Einlagezinsen würden „nicht vom Kapitalnehmer an den Kapitalgeber als Entgelt für die Überlassung von Kapital gezahlt“. Anders ausgedrückt: Nicht die Bank zahlt dafür, dass sie das Geld der Kunden nutzen darf, sondern die Kunden zahlen dafür, dass sie ihr Vermögen nicht unter der Matratze lagern müssen.

Das Ministerium hat die Problematik also erkannt, doch es geht noch weiter im Text: Es sei also „eine Art Verwahr- oder Einlagegebühr, die bei den Einkünften aus Kapitalvermögen als Werbungskosten vom Sparer-Pauschbetrag gemäß Paragraf 20 Absatz 9 Satz 1 Einkommensteuergesetz erfasst sind“.

Das soll heißen: Mit dem Sparer-Pauschbetrag, den Ledige jährlich in Höhe von 801 Euro und Verheiratete in Höhe von 1.602 Euro erhalten, sind diese Gebühren bereits abgegolten. Sie haben deshalb keine zusätzliche steuerliche Auswirkung.

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Sparmodell funktioniert nicht

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  • Kapitaleinkommen sind im sozialistischen System in D die am meisten verhassten und mit je nach Situation und Geldentwertung weit über 100% Besteuerung am intensivsten enteigneten Einkommen. Hauptgrund für diesen Hass auf Ersparnisse ist dass solche den Sparer von staatlichen Leistungen und dem sozialistischem Umverteilungsapparat unabhängig machen.

    Beispiel Anleihe: Zins 1,5%, Geldentwertung 2%, Gebühren 0,25%, Steuersatz 27% entsprechen einer Besteuerung von 200% des Ertrages.

    Beispiel Aktie: Kursgewinn ab 2010 15%, 3% Gebühren in 5 Jahren, Geldentwertung durchschnittlich 2%, Steuersatz 27% entsprechen einer Besteuerung von ca. 200%.

    Da den regierenden Sozialisten diese enteignungsgleiche Besteuerung nicht reicht, lassen sich Verluste aus Wertpapieren nicht mit Gewinnen anderer Einkommensarten verrechnen. Dass man Negativzinsen nicht als solche anrechnen kann, erstaunt nicht weiter.

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