Steueroase: Liechtenstein verliert die Superreichen

Steueroase
Liechtenstein verliert die Superreichen

Das kleine Fürstentum ist noch der Lieblingsort der Milliardäre, um ihr Geld in Stiftungen unterzubringen. Doch die Anteile schwinden. Nach dem Ende des Bankgeheimnisses muss sich die Finanzbranche neu erfinden.
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Zürich/New YorkLiechtenstein, einst berühmt für sein Bankgeheimnis, verliert immer mehr seine Position als eine der beliebtesten Steueroasen für die Reichsten der Welt. Das Fürstentum verabschiedete sich vor vier Jahren auf Druck der USA und der Europäischen Union von seinem Bankgeheimnis-Gesetz. Als Konsequenz wanderten Kunden ab und eine der ältesten Bank-Schaltzentralen Europas wurde dazu gezwungen, sich neu zu erfinden.

„Wir sind keine Steueroase, wir sind ein sicherer Hafen“, sagt Mario Gassner, Leiter der Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtensteins. „In der Vergangenheit sind die Kunden nach Liechtenstein gekommen, um ihr Geld anzulegen. Seit 2008 müssen unsere Finanzvermittler zu den Kunden gehen.“

Das kleine Fürstentum bleibt auch weiterhin der favorisierte Platz für Milliardäre, um dort Holding- und Investmentgesellschaften aufzusetzen, die ihr Vermögen kontrollieren. Ein Beispiel ist Ikea-Gründer Ingvar Kamprad, mit einem Nettovermögen von 54,6 Milliarden Dollar der fünftreichste Mensch der Welt, wie aus dem Bloomberg Billionaires Index hervorgeht. Er kontrolliert die geistigen Eigentumsrechte des Konzerns über eine Liechtensteiner Stiftung.

Margarita Louis-Dreyfus, die Vorsitzende des weltgrößten Reis- und Baumwollhändlers Louis Dreyfus Holding mit Sitz in Amsterdam, besitzt 65 Prozent an dem Unternehmen über ihre Liechtensteiner Familien-Holding Akira. Ihr Nettovermögen beläuft sich auf 5,9 Milliarden Dollar. Iris Fontbona, Matriarchin von Chiles wohlhabendster Familie, kontrolliert 15,7 Milliarden Dollar über mehrere Liechtensteiner Stiftungen.

Insgesamt dürften die Superreichen Ende 2010 bis zu 32 Billionen Dollar im Ausland geparkt haben, zeigen Daten der britischen Organisation Tax Justice Network, die sich für Transparenz im Finanzsystem einsetzt. Einige von ihnen haben ihr Vermögen in den letzten Jahren nach Asien verlagert. In Singapur hat sich das verwaltete Vermögen seit 2001 auf 1,4 Billionen Singapur-Dollar (870 Milliarden Euro) verfünffacht. Doch nun folgt der Stadtstaat dem Vorbild Liechtensteins: Im Herzen der Bank- und Offshore-Branche in Asien ist es ab dem 1. Juli strafbar Gewinne aus Steuerhinterziehung zu waschen.

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„Einige Europäer stehen vor großen Problemen“

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  • @ Nonglee

    Ihre Aussage erscheint mir wenig plausibel zu sein -> "Wenn sich die Reichen nicht abseilen würden, würden die
    abhängig Beschäftigten keinen Cent weniger Steuern zahlen."?

    Anders würde ein Schuh draus werden: Wenn die Reichen ihre Steuern korrekt begleichen würden und Steuerverschwendung durch Beamte, Minister und andere politisch Verantwortliche bestraft würde, würde es uns allen in Deutschland besser gehen. Das setzt natürlich Regeln und Disziplin voraus, die eingehalten werden müssten.

    Dass sich jeder Reiche sein eigenes Steuerrecht zusammen basteln darf, weise ich mit Hinweis auf die bestehenden Steuergesetze sowie das kürzliche BGH-Urteil in Bezug auf Steuerhinterziehung über 1 Mio. EUR (-> Haftstrafe) scharf zurück.

    Es ist schon merkwürdig, dass sich Menschen aus dem rechtskonservativen, neoliberalen Lager auf der einen Seite immer als die großen Deutschen / Nationalen aufspielen (fröhlich die Nationalhymne auf ihren Parteitagen singen (CDU)) und im gleichen Atemzug Deutschland den Dolch in den Rücken stechen (unschöner Begriff, ich weiß (Dolchstoßlegende).

    Die Zeiten in denen CDU und FDP ihre Wahlkämpfe mit Geldern aus schwarzen Kanälen in der Schweiz und Liechtenstein bestreiten müssen endgültig vorbei sein.

    Nun gibt jetzt für Reiche auch keine weiteren sicheren Zufluchtsorte mehr; also sollten diese Leute ihre Nerven schonen und nicht immer nur "auf der (Steuer-) Flucht" sein!

  • @ karstenberwanger: Herr "Berwanger" - falls Sie tatsächlich so heißen - Sie übertreiben wieder einmal maßlos und verzerren die Realität. Die Steuerquote hat in Deutschland mit 22,10% (Stand 2010, OECD) einen historischen Tiefststand erreicht und und muss dringend angehoben werden um die Ausgaben des Staates zu decken. Die Anhebung des Einkommensteuerspitzensatzes ist die gerechteste und volkswirtschaftlich beste Form dies zu tun. Ob Sie persönlich mit einer konkreten Mittelverwendung einverstanden sind oder nicht, ist irrelevant. Die Zahlung von Steuern ist eine Pflicht und keine freiwillige Angelegenheit wie Parteispenden. Verfassungsrechtlich gesehen, endet diese Pflicht erst dann, wenn der Bürger nach dem Abzug der Steuerlast weniger als der Sozialhilfesatz verbleiben würde. Dies ist aber im bestehenden System grundsätzlich ausgeschlossen, da der Einkommenssteuergrundfreibertrag so bemessen ist, dass er über dem Äquivalenzsozialhilfesatz liegt, welcher unter Berücksichtigung der Verbrauchssteuern definiert, wie viel ein Mensch in diesem Land braucht um „menschenwürdig“ leben zu können. ALSO: Wenn in der Politik Typen wie Sie den ALG II-Empfängern „die Stütze“ neiden und kürzen, verbreitern sie automatisch den rechtlichen Bewertungsspielraum für die Einkommensteuererhebung.
    Auch schwere Fehlentscheidungen oder gar kriminelles Fehlverhalten von Politikern entschuldigt eigenen strafbaren Handlungen nicht, weder rechtlich noch moralisch.
    Vollkommen lächerlich ist es nun aber, wenn Sie Renten- oder Krankenversicherungsbeiträge implizit als Ausdruck von „Raubrittertum“ bezeichnen.
    Sozialversicherungsbeiträge sind Ausdruck einer paternalistischen Gesetzgebung, die von einer - mehr als verfassungsgebenden - Mehrheit in Volk und Politik (einschließlich mir) seit über 100 Jahren gewünscht wird.
    Insofern stellen sich Ihre Äußerungen insgesamt als Ausdruck eines anti-sozialen Querulantentums dar.

  • @Justitius
    Wenn sich die Reichen nicht abseilen würden, würden die
    abhängig Beschäftigten keinen Cent weniger Steuern zahlen.
    Es würden bei Beamten und Poltikern nur noch mehr die Sektkorken knallen in Anbetracht der Pensionserhöhungen.
    Der Rest würde schon irgendwie versiebt werden können.
    Solange in diesem Land eine solche Neidgesellschaft besteht, werden die Politiker unverholen weiter Steuer erhöhen und die Unterschicht wird weiter jubeln. Andersrum würde ein Schuh draus werden: Steuerverschwendung bestrafen, Steuermodell nach Schweizer Vorbild. Dann würden auch die Reichen Steuern bezahlen.

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