Steuerparadiese
Mehr als nur Jersey

Großbritannien: Auch wenn es viele nicht wissen: Das Vereinigte Königreich ist ein Steuerparadies - und zwar nicht nur für Bewohner der Kanalinseln Jersey und Guernsey oder der Isle of Man.

Zwar ist die Einkommensteuer mit einem Spitzensatz von 40 Prozent in Großbritannien wenig attraktiv, aber ausländischen Neuankömmlingen winken enorme Vorteile, die deutsche Banker genauso angelockt haben wie russische Oligarchen, saudische Ölprinzen und prominente Sportler.

Ihr Privileg ist der "non-domiciled"-Status. Demnach gelten Ausländer meist erst nach einigen Jahren als steuerlich ansässig. "Bis dahin müssen sie nur Einkünfte versteuern, die nach Großbritannien überwiesen werden", sagt Steuerberater Lüdemann. Wird ein Teil des Gehalts vom Arbeitgeber in ein Nullsteuerparadies wie die Cayman Islands in der Karibik überwiesen, können sie komplett steuerfrei davonkommen - und zwar legal. "Wichtig ist aber, dass Betroffene ihren Wohnsitz in Deutschland tatsächlich aufgeben", warnt Lüdemann.

Über die Vorschrift, die folglich auch für Italiener gilt, könnte Motorradweltmeister Valentino Rossi stolpern. Die italienische Finanzpolizei wirft dem 28-jährigen Multimillionär vor, seinen Hauptwohnsitz in London nur vorgetäuscht zu haben. In Wahrheit habe er zwischen 2000 und 2004 die meiste Zeit in seinem Heimatort Tavullia verbracht. Somit sei er auch in Italien steuerpflichtig gewesen und müsse 25 Millionen Euro nachzahlen plus saftiges Bußgeld.

Italiens stellvertretender Wirtschaftsminister Vincenzo Visco nahm den Fall zum Anlass, die britischen "Nondom"-Regeln massiv zu kritisieren: Die Briten würden "die Regeln des Wettbewerbs zwischen den Staaten" verletzen. Der britische Finanzminister Alistair Darling will das Privileg nicht abschaffen, allerdings sollen die Freibeträge für "Nondoms" sinken und nach spätestens sieben Jahren eine Mindeststeuer von 30 000 Euro greifen.

Der eidgenössische Finanzminister Hans Merz-Rudolf sammelt solche Beispiele für Steuervorteile in EU-Staaten derzeit lächelnd und akribisch. Seine Botschaft an EU-Steuerkommissar Kovacs: Die Staatengemeinschaft solle sich doch erst mal selbst an die Regeln halten, bevor sie unfairen Wettbewerb durch die Schweiz beklage.

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