Steuerparadiese: Singapur – die "asiatische Schweiz"

Steuerparadiese
Singapur – die "asiatische Schweiz"

Der Inselstaat in Südostasien gilt als "asiatische Schweiz" - und macht diesem Namen alle Ehre.

Nach Angaben der Zentralbank sind in Singapur 108 Geschäftsbanken und 49 Investmentbanken aktiv, um Investoren buhlen noch weitere 178 lizenzierte Finanzdienstleister. Die Finanzbranche wird subventioniert, und auch sonst ist das Abgabenklima mild: Die Körperschaftsteuer beträgt nur noch 18 statt wie bis zum vergangenen Jahr 20 Prozent.

Nicht nur der niedrige Satz ist attraktiv: Der aktuellen Weltbank-Studie "Paying Taxes 2008" zufolge bietet Singapur für Unternehmen nach den Malediven das transparenteste Abgabensystem der Welt - vor Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Deutschland folgt abgeschlagen als 67. von 178 Ländern, knapp vor Bhutan.

Attraktive Angebote macht die Insel auch ausländischen Managern, die zeitweise dort arbeiten: Bleiben sie nicht länger als 183 Tage im Staat, sind für die dortigen Einkünfte maximal 15 Prozent fällig; ist der Aufenthalt gar kürzer als 60 Tage, fordern die Behörden gar nichts. Der Clou: Wird das Geld nicht vom deutschen Arbeitgeber, sondern von einer Tochtergesellschaft in Singapur gezahlt, hat auch der deutsche Fiskus keinen Zugriff.

Aber auch für Bewohner des Stadtstaats und für Kapitalanleger ist Singapur günstig: Der Spitzensteuersatz ist 2007 von 21 auf 20 Prozent gesunken. Kapitaleinkünfte werden, wie in Hongkong, vom Staat nicht angetastet. Kein Wunder, dass die EU in Singapur besonders viel Schwarzgeld aus Europa vermutet. Ein Indiz: Gerade Schweizer Banken wie Crédit Suisse oder UBS haben ihre Präsenz vor Ort massiv ausgebaut. Steuerfahnder argwöhnen, dass die Konten und Depots zahlreicher Kunden jetzt offiziell in den dortigen Niederlassungen stationiert sein könnten - während die Ansprechpartner der Kunden weiter bequem erreichbar in den Schweizer Filialen sitzen.

Wie viel Geld wirklich in den Fernen Osten geflossen ist, weiß niemand. Sicher ist aber: Bis hierhin reicht der Arm der europäischen Steuerbehörden nicht. Selbst wenn sie einem Hinterzieher auf die Schliche gekommen sind und gewichtige Indizien präsentieren können - Singapurs Banken halten dicht. Steueranwalt Wolff weiß: "Der Kleinstaat ist für seine unkooperative Haltung gegenüber ausländischen Steuerbehörden bekannt." EU-Kommissar Kovacs wird noch viel fliegen müssen.

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