Steuerrecht
Der Dienstwagen könnte bald günstiger werden

Wer seinen Firmenwagen auch privat nutzen darf, muss den Vorteil versteuern. Doch ist die Berechnung noch zeitgemäß? Darüber muss der BFH entscheiden. Der Steuerzahleranwalt ist nach der Verhandlung „noch guter Dinge“.
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DüsseldorfDas Urteil könnte etwa 2,4 Millionen Steuerzahler treffen. So viele haben nach Schätzung des Bundesfinanzministeriums einen Dienstwagen, den sie auch privat nutzen. Das Privileg ist nicht nur Statussymbol, sondern führt auch zu einem sogenannten geldwerten Vorteil – und den müssen die Arbeitnehmer versteuern. Diese Tatsache alleine mögen viele Steuerzahler wohl noch akzeptieren, Streit gibt es aber um die Berechnung dieses Vorteils.

Grundsätzlich gibt es dafür zwei Möglichkeiten: das Fahrtenbuch und die 1-Prozent-Methode. Wer ein Fahrtenbuch führt, muss akribisch festhalten, wann er mit dem Auto gefahren ist und welches die Ausgangs- und Endpunkte waren. Den Ort nur vage anzugeben oder als Zweck der Fahrt lediglich „Tanken“ zu nennen, reicht nicht aus. Auch die Kilometerstände müssen notiert werden.

Einfacher ist die 1-Prozent-Regel. Dabei wird dem Arbeitnehmer jeden Monat ein Prozent des Bruttoneuwagenlistenpreises als geldwerter Vorteil berechnet. Ein Beispiel: Wenn das Auto laut Liste 30.000 Euro kostet, werden monatlich 300 Euro als zusätzliche Einnahmen gesetzt, pro Jahr also 3.600 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent würden dadurch jährlich etwa 1.440 Euro Steuern fällig.

Doch diese Methode ist zu teuer für Arbeitnehmer und nicht verfassungsgemäß – dieser Meinung ist zumindest ein Steuerzahler, dessen Fall am heutigen Donnerstag vor dem Bundesfinanzhof (BFH) verhandelt wurde (Az.: VI R 51/11). Sein Arbeitgeber hatte ihm 2009 einen geleasten Gebrauchtwagen als Dienstfahrzeug zur Verfügung gestellt. Der Neuwagenlistenpreis lag bei 81.400 Euro, der Gebrauchtwagenwert nur bei 31.990 Euro. Sein Finanzamt nahm den Bruttoneuwagenlistenpreis als Bemessungsgrundlage und berechnete mit der 1-Prozent-Regel einen zu versteuernden Vorteil von monatlich 814 Euro.

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  • BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.12.2012, VI R 51/11

    http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&Datum=2013&anz=15&pos=1&nr=27511&linked=urt

  • Es wäre mal interessant, wenn man das Aktenzeichen dieses Verfahrens bekommen könnte, um den Tenor von Klage, Vor- und Letztinstanzlichen Urteilen im Detail in Erfahrung bringen zu können.

  • Der Listenpreis ist ein Preis, der in der Liste steht.
    Klingt zunächst nobelpreisverdächtig, ist aber bei Wikipedia nachzulsen.
    Etwas Findigkeit vorausgesetzt, wird sicherlich auch eine Liste gestaltbar sein, die einen niedrigeren Bruttolistenpreis ausweist - zum Vorteil der Dienstwagenfahrer.

    In Deutschland sind eben alle Regelungen willkürlich.
    Von daher würde es auch nicht verwundern, wenn nach dem Oettinger-Vorschlag unsere Hartz-IV-Empfänger die wahren Gewinner der Energiewende werden und keine zusätzlichen Kosten zahlen müssen.

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