Steuerrecht
Prostituierte müssen Gewerbesteuer zahlen

Der Bundesfinanzhof hat entschieden: „Gewerbsmäßige Unzucht“ ist nun gewerbesteuerpflichtig. Die Kommunen freuen sich nach dem Urteil auf mehr Geld. Für selbstständige Prostituierte dürfte es dagegen teuer werden.
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MünchenAuch selbstständige Prostituierte sind gewerbesteuerpflichtig. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss, mit dem er zugleich seine bislang gegenteilige Rechtsprechung aufgab (Az: GrS 1/12). Prostitution war schon immer steuerpflichtig, Streit gab es jedoch über die Details steuerlicher Einstufung.

So kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Gerichtsverfahren zwischen Finanzämtern und auf eigene Rechnung arbeitenden Prostituierten, weil die Behörden deren Tätigkeit als Gewerbe einstuften und Gewerbesteuer forderten. Die Betroffenen vertraten dagegen die Auffassung, ihre Einkommen seien als "sonstige Einkünfte" anzusehen und im Rahmen der Einkommensteuer abzugelten. Auch im vorliegenden Fall vor dem BFH ging es um einen solchen Rechtsstreit.

Für die Prostituierten wird sich in den meisten Fällen voraussichtlich nicht viel ändern, da die Gewerbesteuer auf die Einkommenssteuer angerechnet wird. Im Detail hängt die Höhe jedoch von den jeweiligen örtlichen Hebesätzen ab. Falls diese sehr hoch sind, könnten sich eventuell finanzielle Nachteile ergeben. Der Hauptunterschied besteht in der Steuerverwendung: Die Gewerbesteuer geht an die Kommunen, die Einkommensteuer wird zwischen Bund, Ländern und Kommunen geteilt.

Ursprünglich hatte der BFH 1964 entschieden, Einkünfte aus "gewerbsmäßiger Unzucht" seien "sonstige Einkünfte" und daher nicht gewerbesteuerpflichtig. Die Finanzverwaltung und juristische Steuerkommentatoren hielten dies aber längst nicht mehr für zeitgemäß. Die rechtliche und gesellschaftliche Einstufung der Prostitution hat sich mit der Zeit stark verändert. Erst vor wenigen Wochen hatte das Hamburger Finanzgericht festgestellt, dass Eigenprostitution ein Gewerbebetrieb sei. Die gegenteilige Rechtsprechung des BFH sei "überholt".

Der große Senat des BFH betonte in seiner Entscheidung, dass unter einem Gewerbebetrieb generell "jede selbständige nachhaltige Tätigkeit zu verstehen" sei, "die mit Gewinnerzielungsabsicht unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt". Auch selbstständig tätige Prostituierte erzielten ihre Einkünfte insofern aus einem Gewerbebetrieb.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Wenn selbstständige Prostituierte ein Gewerbe betreiben und zur Gewerbesteuer herangezogen werden, dann sind sie auch automatisch Mitglied der Industrie- und Handelskammer. So sieht es der Gesetzgeber vor. Als IHK-Mitglied haben sie dann nicht nur Pflichten (Beiträge) sondern auch Rechte. Ihre Interessen sind zu bewerten und zu berücksichtigen. Auch können sie dann für einen Sitz in den Vollversammlungen dieser ehrenwerten Gesellschaft kandidieren - eine bahnbrechend reizvolle Vorstellung!

  • Sinngemäß müsste die Gewerbesteuerpflicht auch für Bodyguards, Türsteher und ähnliche Personen gelten, sofern sie nicht angestellt sind. So könnte das Finanzamt deren Einkünfte prüfen wenn diese Leute wegen ihres teuren Lebenswandels wie z.B. durch den Besitz von Edel-Sportwagen auffallen.

  • Dann müssten die Zuhälter auch Gewerbesteuer zahlen, denn diese organisieren die Beschaffung und den Einsatz (Transport) der Damen und sorgen für die Wohnung, Kunden etc. Der Bundesfinanzhof sollte auch dieses einmal prüfen.

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