Steuerrückerstattung häufig sehr kompliziert
Anleger verschenken Millionen

Internationale Kapitalmarktanleger haben im vergangenen Jahr mehr als zehn Mrd. Dollar verloren, weil sie die Quellensteuer auf Dividendenerträge nicht zurückgefordert haben. Dabei haben allein die deutschen Investoren auf mehr als eine halbe Mrd. Euro verzichtet.

DÜSSELDORF. Das errechnete eine Softwarfirma, die sich auf die Abwicklung von Quellensteuer spezialisiert hat, aus öffentlichen Daten. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) bestätigte, dass die Rückerstattung der Quellensteuer häufig sehr kompliziert sei und bei einer Reihe von Ländern häufig auch die gesetzlichen Grundlagen fehlten.

Die Quellensteuer - etwa auf Dividendenerteräge - ist international die Regel, die Sätze fallen in den einzelnen Ländern aber unterschiedlich aus. Ein Teil der Abzüge bleibt im jeweiligen Land, Anleger können ihn lediglich bei ihrem deutschen Finanzamt geltend machen (anrechenbarer Teil). Einen Teil können die Investoren aber auch aus den Anlageländern zurückfordern (Vergütungsteil). Das sei häufig sehr aufwendig, sagt Steuerfachmann Benjamin Hüsgen von der Dekabank. In seinem Haus sei eine ganze Abteilung nur mit der Quellensteuer anderer Länder beschäftigt. Formulare müssten übersetzt werden, jedes Land habe andere Vorschriften, bestätigt BVI-Geschäftsführer Rüdiger Päsler. Danach kann es dauern, bis das Geld kommt.

Vor allem kleinere Hedge-Fonds und Vermögensverwalter hätten häufig auf die Quellensteuer verzichtet, weil ihnen der Aufwand zu groß sei, sagt Stephen Everard von der Softwarfirma Goal in London, deren Programme Rückerstattungsanträge liefern und sie automatisch ausfüllen. Die Renditeeinbußen auf Grund der verlorenen Quellensteuer hätten sich seit 2003 nahezu verdoppelt, weil seither die Investition in ausländische Aktien deutlich beliebter geworden sei.

"Das sind Summen, die sich auch auf die Renditeentwicklung der Fonds auswirken können", sagt Hüsgen. Entsprechend akribisch versuchen die großen Fondsgesellschaften, alles zu holen, was zu holen ist. Bei der Dividendenzahlung eines Schweizer Papiers etwa wandern automatisch 35 Prozent an den Schweizer Fiskus. 20 Prozent können ausländische Investoren direkt aus der Schweiz erstatten lassen, 15 Prozent können sie bei ihrer Steuererklärung geltend machen. Fondsgesellschaften war die Rückerstattung bisher in vielen Fällen auch dadurch erschwert, dass sie weder Personen sind noch Unternehmen. Nach einem OECD-Musterabkommen sind sie jedoch berechtigt, den Vergütungsteil zurückzuholen, wenn sie nachweisen, dass ihre Anleger zu 90 Prozent aus Deutschland kommen. "Man hat sich das hart erarbeitet", sagt Hüsgen von der Dekabank. Um es den Anlegern zu erleichtern, ist sein Haus dazu übergegangen, den anrechenbaren Teil des Quellensteuerabzugs einfach als Werbungskosten auszuweisen.

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