Steuerskandal
Schon wieder Ärger im Paradies

Liechtenstein, die Zweite: Ein Ganove zockte mit geklauten Bankdaten deutscher Steuersünder und wurde geschanppt. Heute steht er deshalb in Rostock vor Gericht. Die Daten jedoch , die hat er noch immer nicht rausgerückt. Wer der Mann ist, der die Vertreibung der Steuersünder aus dem Paradies übt und dessen Verteidigung sich für ein unmoralisches Dealangebot nicht zu schade ist.

ROSTOCK.Für alle "Steueroptimierer" der bittere Aperitif vorneweg: Mindestens zwei Ganoven besitzen noch mindestens zwei Listen mit Daten von mindestens 700 Deutschen, die mit der Liechtensteiner LBB-Bank "steuerschonende" Beziehungen pflegen. Noch bitterer das Dessert: Die Ermittler sind ihnen dicht auf den Fersen.

Zum Beispiel die von der Staatsanwaltschaft Rostock. Zwar interessieren sie die heiklen Geschäftsverbindungen nur zweitrangig. Doch ihr Aufklärungshunger ist nicht ohne. Sie wollen wissen, was mit den insgesamt 2 325 im Jahr 2004 aus der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) gestohlenen Kontobelegen getrieben wurde. Deshalb klagt Staatsanwalt Martin Fiedler heute Michael F. an. Denn der hat die Daten, irgendwo. Und er muss sich zusammen mit drei Mitangeklagten vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Rostock wegen "gewerbs- und bandenmäßiger Erpressung" verantworten.

Der mehrfach vorbestrafte Rostocker F. streitet den Besitz der vertraulichen Ware nicht ab. Vielmehr brüstet er sich seit seiner Verhaftung im September vergangenen Jahres damit, das explosive Diebesgut zu bunkern. Und er will es eintauschen: gegen größtmögliche Milde des Gerichts, gegen eine Bewährungsstrafe und gegen "freies Geleit" in ein fernöstliches Paradies - am liebsten nach Phuket, Thailand.

Diesen Plan kommentiert der Rostocker Oberstaatsanwalt Peter Lückemann, der die Dokumente bisher nicht hat finden können, ganz lapidar: "Wir machen keine Deals. Wenn der Angeklagte die Daten zurückhält, kann dies als andauernde Erpressung strafverschärfend gewertet werden." Rückt er das heikle Gut aber raus, könnten Gutwillige sagen, dass er seine "Tatwaffe" (Lückemann) gestreckt habe und signalisiere, von weiteren Erpressungen Abstand zu nehmen. Denn ein paar Erpressungen hat er laut Anklage schon hingelegt. Zum Teil höchst erfolgreiche.

F. und seine Mitangeklagten müssen sich dafür verantworten, die Liechtensteiner LLB-Banker angeblich um 13 Millionen Euro Schweigegeld für die Rückgabe der 2 325 Kontenbelege erpresst zu haben. Neun Millionen, so die Anklage, sind im Tausch für das Gros der Daten bereits geflossen. Die restlichen vier Millionen sollten im August 2009 für die übrigen 725 Datensätze fließen. Die LBB-Bank bestätigt die Angaben.

Mit diesen heißen Daten will F. seit geraumer Zeit mit den Strafverfolgern pokern. Vor Gericht werden ihm und seinen Kumpeln jetzt neun Verteidiger die Karten halten. F.'s Hamburger Anwältin Astrid Denecke mag sich im Handelsblatt "zur Zeit" eigentlich gar nicht äußern - allenfalls sibyllinisch: "Es muss sich erst noch herausstellen, ob mein Mandant Erpresser ist."

Erneut stellt sich für eine perplexe Öffentlichkeit die Erkenntnis heraus, dass irdische (Steuer-)Paradiese nicht per se Stätten behaglicher Sicherheit sind, sondern - wie schon im Fall von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel - Tatorte. Denn erneut zieht ein Kriminalfall das gut frequentierte Steuerparadies Liechtenstein in den Morast böser Schlagzeilen.

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