Steuerthema der Woche
Arbeitszimmer: Höhere Steuererstattung winkt

Der Bundesfinanzhof (BFH) macht mit dem kürzlich veröffentlichten Beschluss Berufstätigen berechtige Hoffnung, dass die seit 2007 geltende Einschränkung beim häuslichen Arbeitszimmer gegen die Verfassung verstoßen könnte (Az. VI B 69/09). Daher erlaubte der BFH einem Lehrer, die Kosten für sein heimisches Büro auf der Lohnsteuerkarte eintragen zu lassen.
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DÜSSELDORF. Die Berufsgruppe der Lehrer, Dozenten, Außendienstmitarbeiter, Handelsvertreter oder Versicherungsmakler ist besonders von der gesetzlichen Änderung betroffen, wonach das häusliche Arbeitszimmer bei Arbeitnehmern und Selbstständigen steuerlich nur noch dann absetzbar ist, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit darstellt. Damit kommen nur noch wenige Berufsgruppen wie etwa freiberufliche Journalisten oder Heimarbeiter in den Genuss von Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Lehrer hingegen bleiben außen vor. Denn deren Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit liegt regelmäßig in der Schule. Bis 2006 konnten sie noch bis zu 1 250 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen, weil ihnen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Zwar handelt es sich bei dem Tenor nur um einen vorläufigen Beschluss. Doch der BFH erhält in seiner Entscheidung bereits die Unterstützung vom Finanzgericht Münster. Das hält die Kürzung beim heimischen Büro für einen Verstoß gegen das Grundgesetz und hat die Frage gleich dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung unter Az. 2 BvL 13/09 vorgelegt. Beanstandet wird vor allem, dass das Finanzamt Aufwendungen nicht mehr berücksichtigt, obwohl die eindeutig für die berufliche Tätigkeit anfallen. Dies könnte sowohl einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz als auch das Prinzip der Nettobesteuerung darstellen.

Berufstätige in ähnlich gelagerten Fällen mit einem häuslichen Arbeitszimmer müssen gegen die Ablehnung des Werbungskostenabzugs nicht gesondert Einspruch gegen ihren Einkommensteuerbescheid einlegen. Den setzen die Finanzämter bereits seit April 2009 wegen der verfassungsrechtlichen Zweifel nur noch vorläufig fest. Daher bleiben die Fälle so lange offen, bis die Verfassungsrichter in Karlsruhe eine endgültige Entscheidung getroffen haben.

Damit besteht zwar wie bei der Pendlerpauschale Aussicht auf eine nachträgliche Steuererstattung, allerdings ist der identische Ausgang nicht sicher. Denn das Arbeitszimmer ist nun einmal Teil der Privatwohnung und der Gesetzgeber könnte durchaus wegen der schwierigen Abgrenzung oder fehlenden Kontrollmöglichkeiten zu Einschränkungen berechtigt sein.

Oliver Holzinger ist geschäftsführender Redakteur von "DER BETRIEB". www.der-betrieb.de

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur

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