Steuerthema der Woche
Effektiver Steuerabzug beim betrieblichen Fuhrpark

Freiberufler und Unternehmer dürfen ihre Fahrzeuge seit 2006 nicht mehr generell pauschal nach dem Listenpreis von der Steuer absetzen. Dafür können sie die Pendlerpauschale wieder ab dem ersten Kilometer verwenden.
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Das Bundesfinanzministerium hat nun die geänderten Vorgaben für den Fuhrpark von Handwerker oder Rechtsanwalt in einem umfangreichen Erlass erörtert (Az. IV C 6 - S 2177/07/10004).

Betrieblicher Nutzungsumfang ist entscheidend

Seit Anfang 2006 ist Selbstständigen sowie Personengesellschaftern die pauschale Ermittlung des Kfz-Privatanteils untersagt, wenn sie das Fahrzeug nicht überwiegend betrieblich nutzen. Der Umfang von mindestens 50,1 Prozent für Firmenzwecke kann jedoch durch formlose Aufzeichnungen über drei Monate glaubhaft gemacht werden, ohne dass ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch vorliegt. Dies erleichtert Unternehmern, Anwälten oder Ärzten den Nachweis der Kfz-Nutzung und kann im Ergebnis dazu führen, dass sie weiterhin die günstige Listenpreis-Methode anwenden dürfen.

Diese Pauschalregelung mit einem Prozent vom Listenpreis pro Monat gelang bis Ende 2005 selbst dann mühelos, wenn ein Selbstständiger seinen Wagen bis zu 90 Prozent für Freizeit und Urlaub verwendet hatte. In diesem galten sämtliche Kfz-Kosten als Betriebsausgaben und die hierin enthaltene Vorsteuer wurde vom Finanzamt in voller Höhe erstattet. Im Gegenzug erfolgte nur ein geringer Gewinnzuschlag.

Damit Unternehmer und Freiberufler diese Regelung auch weiterhin nutzen können, müssen sie dem Finanzamt nunmehr die überwiegend betriebliche Verwendung des Pkw nachweisen. Gelingt das nicht, sind die Kosten stets exakt aufzuteilen und es kommt im Ergebnis zu einem deutlich höheren Gewinn.

Zwar kann die Aufteilung zwischen beruflichen und privaten Strecken über vereinfachte Nachweise erbracht werden, jedoch greift die attraktive Listenpreis-Methode nur dann, wenn hierbei auch die 50-Prozent-Hürde überschritten wird. Liegen schon die täglichen Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb über der Hälfte der Gesamtfahrleistung, muss überhaupt kein weiterer Nachweis her. Damit ist die überwiegend betriebliche Verwendung bereits erreicht.

Keine Probleme haben auch Betriebe, die ihren Arbeitnehmern einen Firmenwagen zur Verfügung stellen. Hier sind alle Nettokosten als Betriebsausgabe und zusätzlich die hierauf entfallende Vorsteuer absetzbar. Das gilt selbst dann, wenn der Angestellte den Pkw nur für die Freizeit nutzt.

Fahrtenbuch sollte ordnungsgemäß sein

Selbstständige können den Nachweis über ihre betrieblichen Fahrten glaubhaft machen, wozu die Finanzverwaltung ausdrücklich kein Fahrtenbuch verlangt. Als Beleg reichen beispielsweise Eintragungen in Terminkalendern, Reisekostenaufstellungen sowie andere Abrechnungsunterlagen.

Wird aber die 50-Prozent-Schwelle für die betriebliche Nutzung nicht überschritten, ist das ordnungsgemäße Fahrtenbuch Pflicht. Der Erlass erläutert die Voraussetzungen hierzu, was insbesondere von Betriebsprüfern gerne genau unter die Lupe genommen wird. Die Formalien sind strikt zu beachten, denn ansonsten war nicht nur die gesamte Mühe umsonst, es kommt über einen pauschalen Privataufschlag auch noch zu ungünstigen Ergebnissen.

Das Fahrtenbuch muss zeitnah und in geschlossener Form geführt werden und alle Fahrten einschließlich des jeweils erreichten Gesamtkilometerstandes vollständig und in ihrem fortlaufenden Zusammenhang wiedergeben. Nicht fehlen dürfen Reiseziel und-zweck sowie aufgesuchte Geschäftspartner. Dabei gibt es formale Erleichterungen für einige Berufsgruppen wie beispielsweise für Handelsvertreter, Kurierdienstfahrer, Automatenlieferanten, Taxifahrer oder Fahrlehrer.

Für alle Selbstständigen reduzieren sich die Pflichtangaben hingegen nur, wenn es um die Privatfahrten geht. Hier reichen Kilometerangaben und für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb ein kurzer Vermerk im Fahrtenbuch.

Der Autor, Oliver Holzinger, ist Steueranwalt und geschäftsführender Redakteur von "Der Betrieb".

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur

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