Steuerthema der Woche
Verschärfte Regeln für Lebensversicherer

Seit dem 1. Januar 2009 gelten für Kapitallebensversicherungen die Regeln der Abgeltungsteuer und neue Kontrollen für Auslandspolicen. Nun reagiert das Bundesfinanzministerium: Inländische Versicherungsvermittler sind künftig verpflichtet den Abschluss einer Lebensversicherung mit einem ausländischen Anbieter beim Finanzamt zu melden.
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Seit dem 1. Januar gelten für Kapitallebensversicherungen die Regeln der Abgeltungsteuer und neue Kontrollen für Auslandspolicen. Erst neun Monate später äußerte sich das Bundesfinanzministerium in einem Anwendungserlass zu den Neuregelungen, die nicht alle vor dem Hintergrund der Abgeltungsteuer eingeführt worden sind (IV C 1 - S 2252/07/0001, DB 2009 S. 2286). So müssen beispielsweise inländische Versicherungsvermittler jetzt den Abschluss eines kapitalbildenden Lebensversicherungsvertrags mit einem ausländischen Anbieter dem Fiskus melden, sofern dieser die Finanzbehörden nicht freiwillig über den Vertragsabschluss informiert.

Mit dem Anwendungserlass schließt das Bundesfinanzministerium eine weitere Besteuerungslücke bei grenzüberschreitenden Sachverhalten. Die deutsche Finanzverwaltung weiß nun genau, wann ein Vertrag mit welchen Konditionen fällig wird und kann selbst dann einfach die Steuer erheben, wenn die Versicherungssumme beispielsweise auf ein Konto in der Schweiz überwiesen wird. Ein weiteres Schlupfloch wird zudem bei ausländischen Angeboten vorwiegend aus Liechtenstein gestopft, bei denen Sparer ihr Vermögen einfach unter dem Mantel einer Police weiterlaufen lassen. Für ehrliche Anleger werden diese Modelle unattraktiv gemacht.

Solche vermögensverwaltenden Versicherungen sind ab 2009 im Gegensatz zu herkömmlichen Policen nicht mehr begünstigt. Der Versicherte muss hier einmal jährlich Abgeltungsteuer auf Zinsen, Dividenden sowie Verkaufserlöse zahlen, was den Zinseszinseffekt deutlich reduziert. Bei der späteren Fälligkeit kommt dann noch eine weitere Steuerpflicht hinzu, sollte der Auszahlungserlös über den bisher versteuerten Summen der Vorjahre liegen. Bei solchen vermögensverwaltenden Lebensversicherungen greift die neue laufende Steuerpflicht sogar, wenn der Vertrag bereits 2005 unterschrieben worden ist.

Bietet die Kapitallebensversicherung einen zu geringen Todesfallschutz, um die Rendite zu verbessern, führt dies bei einem Vertragsabschluss seit dem 1. April 2009 zu Einbußen bei der Nettorendite. Bei diesen Policen kann die halbe Steuerfreiheit nicht mehr genutzt werden.

Der Erlass erläutert über mehrere Seiten, welche Bedingungen die Versicherungsunternehmen einzuhalten haben, um ihren Kunden das Steuerprivileg zu erhalten. Wer bei Fälligkeit noch keine 60 Jahre alt ist oder keine zwölf Jahre durchgehalten hat, muss jedoch keine Nachteile hinnehmen. Denn hier kann der Steuerpflichtige das nur für Lebensversicherungen ab 2009 verbliebene Halbeinkünfteverfahren ohnehin nicht nutzen.

Fast nebensächlich sind da schon die Verwaltungsanweisungen zu den übrigen Neuregelungen ab dem Jahr 2009, obwohl die vermutlich deutlich mehr Versicherte betreffen als Personen mit unerwünschten Steuersparmodellen.

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur

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