Steuerthema der Woche
Was sich für Unternehmen bei der Umsatzsteuer ändert

Rund 180 Veränderungen zu verschiedenen Abgabenarten beinhaltet der Entwurf zum Jahressteuergesetz 2010, der vom Bundestag beschlossen wurde. Für Unternehmen hat eine der Neuregelungen weitreichende Auswirkungen.
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DÜSSELDORF. Der jüngst vom Bundestag beschlossene Entwurf zum Jahressteuergesetz 2010 enthält in 32 verschiedenen Artikeln rund 180 Veränderungen zu verschiedenen Abgabenarten. Eine der Neuregelungen hat für die Unternehmen weitreichende Auswirkungen. Die sogenannte erweiterte Umkehr der Steuerschuldnerschaft im Rahmen der Umsatzsteuer ab 2011.

Durch die gesetzliche Sonderregelung sollen vor allem Umsatzsteuerausfälle verhindert werden. Diese können dadurch eintreten, dass in Risikobranchen - wie dem Baugewerbe - nicht sichergestellt werden kann, dass Umsätze von den leistenden Unternehmern vollständig im Besteuerungsverfahren erfasst werden oder der Fiskus seinen Umsatzsteueranspruch in Höhe von 19 Prozent nicht realisieren kann. Der Fall tritt ein, wenn etwa ein ausschließlich in Frankreich ansässiger Handwerker für einen Unternehmer mit Sitz in Hamburg Dachziegel liefert und dessen Dach eindeckt. Das Entgelt beträgt 25 000 Euro. Der Handwerker erbringt zwar eine in Deutschland steuerpflichtige Werklieferung, für die aber der deutsche Unternehmer die Umsatzsteuer von 4 750 Euro schuldet. Der Handwerker ist hier lediglich verpflichtet, in seiner Rechnung auf die Steuerschuldnerschaft hinzuweisen.

So erhält bei der Umkehr der Steuerschuldnerschaft der die Leistung ausführende Unternehmer die Umsatzsteuer nicht mehr, und auf der Gegenseite muss der Leistungsempfänger die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer sofort ans Finanzamt überweisen und darf dem leistenden Unternehmer nur den Nettobetrag bezahlen.

Da der Unternehmer den Betrag jedoch gleichzeitig wieder als Vorsteuer abziehen kann, fließen in der Regel aus diesem Geschäft insgesamt keine Gelder ans Finanzamt. Dieses sogenannte Reverse-Charge-Verfahren verhindert, dass der Fiskus auf der einen Seite Vorsteuer erstattet, die er auf der anderen Seite nicht als Umsatzsteuer kassiert.

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  • Der irrsinn hat Methode. Je komplizierter, desto besser f. die Steuerberaterbranche, obwohl auch die stöhnt, bei dem was sich die Politchargen u. ihre Ministerialbürokratie so alles einfallen lassen.

    Und wer will dieses Reverse-Charge-Verfahren bitteschön überprüfen?

    Der Staat hofft wohl insgeheim auf Mehreinnahmen. Ein Schelm, der an böses bei dem ganzen Steuerirrsinn denkt.

  • Kinder können ihre Fahrtkosten nicht von der Steuer absetzen.

    Fallbeispiel: in Stuttgart muss ein Kind ca. 36 Euro pro Monat an Fahrtkosten aufbringen um zur Schule zu gelangen.

    12*36 macht = 432 Euro pro jahr das heißt ein Kind braucht 850 DEM im Jahr um zur Schule zu gelangen.

    Fahrradfahren für Kinder ist in Stuttgart unmöglich. Vergessen Sie es!

    Diese Kosten können jedoch nicht von der Steuer abgesetzt werden.

  • Goldmund, ganz einfach:
    Lobby, eigene Wählerklientel (Sie und ich, Arbeiter, Angestellte, Rentner, Pensionäre, beamte, sogenannte besserverdienende (wer sind das), Steuerhinterzieher, klagefreudige bürger, EU und vor allem, fehlender Mut der Politik, weil sie vom Wähler abgestraft werden wird.

    Na ja, und nicht zu vergessen, eine komplexe Volkswirtschaft führt zu immer komplexeren Gesetzen.

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