Steuerthema der Woche
Zurück auf Los beim Heimbüro

Das vor kurzem vom Bundestag beschlossene Jahressteuergesetz 2010 erfreut vor allem Lehrer und Außendienstmitarbeiter. Wie noch vor vier Jahren können sie bis zu 1 250 Euro für ihr heimisches Büro absetzen.
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DÜSSELDORF. Lehrer und Außendienstmitarbeiter können jetzt wieder den Aufwand für ihr häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten oder Betriebsausgaben von der Steuer absetzen, so wie es letztmalig für das Jahr 2006 erlaubt war.

Karlsruhe hatte bekanntlich jüngst entschieden, dass die seit 2007 geltende Neuregelung beim häuslichen Arbeitszimmer insoweit gegen den allgemeinen Gleichheitssatz verstößt, als die Aufwendungen auch dann von der steuerlichen Berücksichtigung ausgeschlossen sind, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Der Gesetzgeber wurde daher verpflichtet, den verfassungswidrigen Zustand rückwirkend ab 2007 zu beseitigen (Az. 2 BvL 13/09). Dies erfolgt nun weisungsgemäß über das Jahressteuergesetz 2010, indem insoweit die bis 2006 geltende Rechtslage wieder hergestellt wird.

Nach einer geänderten Vorschrift wird der Abzug von Betriebsausgaben oder Werbungskosten für das heimische Büro bis zu 1 250 Euro im Jahr zugelassen, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Von der Änderung profitieren insbesondere Lehrer, Dozenten, Handelsvertreter und sonstige Außendienstmitarbeiter, weil ihnen beispielsweise für Nacharbeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Da das Jahressteuergesetz 2010 nicht über die Forderungen des Bundesverfassungsgerichts hinausgeht, entfällt der Abzug von Werbungskosten und Betriebsausgaben weiterhin, wenn das häusliche Arbeitszimmer zwar zu mehr als der Hälfte der gesamten Tätigkeit beruflich genutzt wird, es aber nicht den qualitativen Schwerpunkt darstellt. Wer also nach Feierabend und am Wochenende vom heimischen Büro aus aktiv wird, kann die Aufwendungen weiterhin nicht geltend machen.

Erstattung nur in offenen Fällen

Die gesetzliche Verbesserung lässt sich generell für die anstehende Einkommensteuererklärung 2010 nutzen und in nahezu allen Fällen auch für den Einkommensteuerbescheid 2009. Denn die Finanzämter hatten diesen nämlich insoweit nur vorläufig festgesetzt, so dass er zu diesem Punkt noch nicht bestandskräftig geworden ist.

Ob es darüber hinaus eine Rückzahlung für die Jahre 2007 und 2008 gibt, hängt davon ab, ob der Steuerfall noch offen ist, denn eine Entscheidung aus Karlsruhe hebelt nicht die Bestandskraft aus. Änderungs- und damit Erstattungspotenzial besteht, wenn überhaupt noch keine Steuerbescheide ergangen sind, weil entweder noch keine Erklärung abgegeben wurde oder das Finanzamt die Formulare noch nicht bearbeitet hat.

Oliver Holzinger ist Steueranwalt und Chefredakteur von "Der Betrieb". www.der-betrieb.de

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur

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