Steuerzahler-Studie
Deutsche zahlen artig Steuern – trotz Protest

Über eine zu hohe Steuerbelastung und ein unfaires System hat wohl jeder schon einmal geflucht. Aber deshalb gleich zum Steuerhinterzieher werden? Eine Studie zeigt eine erstaunlich hohe Steuermoral in Deutschland.
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DüsseldorfBeim Thema Steuern teilen die Deutschen ordentlich gegen den Staat aus: Die persönliche Steuerbelastung ist zu hoch und das Steuersystem ungerecht, die steuerlichen Pflichten sind zu schwierig zu erfüllen und dann verschwendet der Staat auch noch das eingesammelte Geld. Die Kritik ist scharf, doch zu notorischen Steuerhinterziehern werden die Deutschen deshalb noch lange nicht – im Gegenteil, die Steuermoral ist so hoch wie nie.

„Die Deutschen haben ein sehr gespanntes Verhältnis zu ihrem Steuersystem – aber sie halten es für wichtig und richtig, die Steuergesetze einzuhalten“, so lässt sich das Ergebnis einer repräsentativen Studie zur Steuermentalität und Steuermoral zusammenfassen, die der Bund der Steuerzahler (BdSt) NRW am Donnerstag vorgestellt hat. Es ist bereits die siebte Studie dieser Art, befragt wurden diesmal 1008 Personen.

„Die Einstellungen der Deutschen haben sich seit der letzten Studie 2008 ganz gravierend verändert“, sagen die Steuerexperten. So hat sich die sogenannte Steuermentalität – also die grundsätzliche Einstellung der Bürger zum Steuersystem, zur Steuergerechtigkeit und zu ihrer individuellen Steuerlast – verschlechtert. 85 Prozent der Deutschen halten ihre Steuern für zu hoch. Das ist der höchste Wert, der in einer solchen Studie jemals erfasst wurde. Besonders stark belastet fühlen sich Selbstständige und Freiberufler, Ledige und Angehörige der gehobenen Mittelschicht.

Auch das relative Steuerbelastungsgefühl ist gestiegen: Fast drei Viertel der Bürger sind davon überzeugt, dass sie im Vergleich mit anderen zu viel Steuern zahlen. Hinzu kommt, dass der zeitliche und finanzielle Aufwand zur Erfüllung der steuerlichen Pflichten – die sogenannten Compliancekosten – als zu hoch empfunden wird. Dieser Meinung sind zwei Drittel der Deutschen. Und rund 21 Prozent bewerten den Aufwand sogar als sehr hoch.

Ein weiterer Einflussfaktor ist die Gerechtigkeit des Steuersystems: Eine deutliche Mehrheit von 82 Prozent der Deutschen fordert die Abschaffung der kalten Progression, bei der Einkommenssteigerungen durch höhere Steuersätze und Inflationseffekte aufgezehrt werden. Auch die Kritik an der öffentlichen Verschwendung wird lauter: 95 Prozent der Bürger sind der Ansicht, dass der Staat viel zu verschwenderisch mit dem ihm anvertrauten Geld umgeht. 2008 lag der Wert immerhin noch drei Prozentpunkte niedriger. „Spektakuläre Projekte wie der Flughafen Berlin-Brandenburg hinterlassen hier ihre Spuren“, so die Steuerexperten.

Trotz dieser Unzufriedenheit ist die Steuermoral so hoch wie nie. „Von Steuerhinterziehung als ‚Volkssport‘ kann also keine Rede sein!“, so die Steuerexperten des BdSt. Die Steuermoral hat sich sogar erheblich verbessert. Dies ist am Steuermoralindex zu erkennen, der von 4,28 im Jahr 2008 auf 4,8 in diesem Jahr gestiegen ist. 82 Prozent der Bürger halten Steuerhinterziehung für generell unmoralisch (2008: 67 Prozent; 1997: 55 Prozent).

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Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt

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  • Gerade gemeldet, die bayrische Landesbank hat gerade mal wieder 215 000 000€ in Ungarn versenkt.
    Da kann man nur noch staunen, was so politisch geführte Banken in Deutschland veranstalten dürfen.
    Wieviel muß da an Produktion und Arbeit betrieben werden um das zu bezahlen?
    Herr Sarrazin hatte ja so recht!

  • Von 100 € die ich mehr verdiene, bekommt der Staat ca. 50 € (Kosten für Sozialversicherungen nicht berücksichtigt). Tanke ich dann für diese 50 €, bekommt der Staat davon nochmals 30 €!

    => 100 € verdient, davon 80 € an den Staat!

    Und dann meckern die Sozis immer noch rum, die Steuern zu erhöhen!

    Deutschland hat kein Einnahmenproblem! Problematisch sind die Ausgaben der SteuergeldVERSCHWENDER!

  • … Die Einstellung der Deutschen haben sich … ganz gravierend geändert…. ?
    Wenn in diesem Lande steuerliche Monitärität rechtlich über dem Schutz und das Leben eines Individuums bewertet und sanktioniert werden, muss es nicht wundern, dass der deutsche Michel zu einem Meinzelmännchen degeneriert ist.
    Steuerehrlichkeit ist wie Wein und Wasser, das eine predigt man dem Steuersklaven, von dem anderen partizipiert Mann und auch Frau in der Politik reichlich.
    Wer diese Form anzweifelt und sich dagegen auflehnt, wird gemäß political correctness entweder in die „Linke“ oder aber auch „Rechte“ Ecke gestellt, den Rest übernehmen dann die „Freunde“ bei der NSA oder dem BND.
    70% aller MdB`er ( nein nicht die !!!) die Mitglieder dieser Bananenrepublik, die Steuersklaven leben doch nur noch von Fußball, Stütze und Völlerei, Guten Morgen Heiliges Rom, wir kommen schon.
    Unsere Angi hat schnell gelernt wie`s funktioniert. Eine neue Fußballnation mit Mutti in Ihrer Mitte macht mehr Wählerstimmen, als ein längst überfälliges „Altes“ Steuersystem.
    Es grüßt wieder Max Frisch: Biedermeier und die Brandstifter

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