Steuerzahlergedenktag
Ab jetzt nur noch für das eigene Portemonnaie arbeiten

Die Deutschen müssen mehr als die Hälfte ihres Einkommen an den Fiskus und die Sozialversicherung abgeben. Rein rechnerisch haben sie diese Schuld seit Sonntag beglichen. Im letzten Jahr war es aber schon früher soweit.
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BerlinSeit Sonntagmorgen um 05.20 Uhr arbeiten die Deutschen nach den jährlichen Berechnungen des Steuerzahlerbunds wieder für das eigene Portemonnaie. Das gesamte Einkommen, das die Steuer- und Beitragszahler vor dem 8. Juli erwirtschaftet haben, wurde rein rechnerisch an den Staat abgeführt, wie der Bund der Steuerzahler am Sonntag mitteilte. "Damit arbeiten die Steuerzahler in diesem Jahr zwei Tage länger für den Staat als noch im vergangenen Jahr und sieben Tage mehr als 2010."

Der Fiskus und die Sozialversicherungen behalten in diesem Jahr 51,7 Prozent vom Einkommen der Steuerzahler ein, wie der Verband weiter mitteilte. Damit sei die Einkommensbelastungsquote gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte gestiegen. "Der Negativ-Trend der wachsenden Belastung der Steuer- und Beitragszahler muss gebrochen werden", forderte der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel. Dafür seien insbesondere nachhaltige Korrekturen am Lohn- und Einkommensteuertarif notwendig.

Hauptursache für die zunehmende Belastung seien die "heimlichen Steuererhöhungen", kritisierte Holznagel. Allein im Jahr 2012 beliefen sich diese auf rund 8 Milliarden Euro. Er forderte einen zügigen Abbau der kalten Progression, zudem müssten die Rentenbeiträge im kommenden Jahr angesichts der hohen Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung weiter reduziert werden. Auch in der Krankenversicherung erlaubten die derzeit hohen Reserven Beitragssenkungen oder die Auszahlung von Prämien.

Ein Gesetzentwurf der schwarz-gelben Koalition mit Steuererleichterungen von etwa sechs Milliarden Euro jährlich war im Mai im Bundesrat gestoppt worden. Die Opposition kritisiert unter anderem, dass durch die Vorlage der Regierung höhere Einkommen stärker entlastet würden als kleinere. Nun wird im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat über einen Kompromiss verhandelt; eine Einigung konnte bislang noch nicht erzielt werden.

Ermittelt wird der jährliche Steuerzahlergedenktag dem Verband zufolge auf Grundlage der sogenannten Volkswirtschaftlichen Einkommensbelastungsquote, also der Summe der Steuern und Zwangsbeiträge zur Sozialversicherung im Verhältnis zum Volkseinkommen. Diese Quote liegt bereits seit den 1970er Jahre um die 50 Prozent. Mit mehr als 54 Prozent hatte sie in den Jahren 1999 und 2000 einen Höchststand erreicht.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Steuerzahlergedenktag: Ab jetzt nur noch für das eigene Portemonnaie arbeiten"

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  • Am jetzt arbeiten wir noch für die 20%MwSt, die Mineralölsteuer, usw.
    Also vergesst die 50%.

  • Im Mittelalter musste man den Zehnten, also 10%, an den Fürsten abliefern, heute sind wir offiziell schon bei 50%. Wobei über Umsatz- und andere Steuern ja noch einiges dazukommt.
    Ich gebe zu, dass die Straßen heute besser sind als im Mittelalter, aber über die Hälfte?
    Ein Hauptgrund ist wohl die Illusion vieler Bürger, dass sie vom "Staat" etwas geschenkt bekommen, ohne zu bemerken, dass ihnen das alles vorher oder nachher aus der Tasche gezogen wird! Woher sonst sollte das Geld auch kommen?

  • is halt Pech wenn man nicht genug Vermögen hat,
    dann zahlt man auch in D viel Steuer.

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