Systemwechsel
Bürokratiemonster Abgeltungsteuer

Die Abgeltungsteuer muss nach Auffassung der Banken dringend entbürokratisiert werden. Und das noch vor ihrem Inkrafttreten. Die Kreditinstitute fürchten eine neue Formularflut - und Ausweichreaktionen der Anleger.

BERLIN. "Ein großer Vorteil einer Abgeltungsteuer ist, dass für Kapitalerträge die Steuererklärung eigentlich überflüssig wird", sagte Heinz-Udo Schaap vom Bundesverband deutscher Banken dem Handelsblatt. Nicht so in Deutschland: Viele Anleger werden weiter Formulare ausfüllen müssen. Aus lauter Angst vor kurzfristigen Steuerausfällen habe die Koalition Erklärungspflichten in den Gesetzen erhalten, die man im System der Abgeltungsteuer gar nicht mehr brauche, werfen die Banken der Großen Koalition vor.

Die Abgeltungsteuer ab 2009 kommt einem Systemwechsel gleich: Bisher muss jeder Anleger seine Gewinne aus Kapitalanlagen in der Steuererklärung angeben und darauf Einkommensteuer zahlen. Künftig wird die Bank pauschal von allen Kapitalerträgen 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an das Finanzamt abführen. Damit ist die Steuerpflicht des Anlegers "abgegolten".

Ganz so einfach wird Steuerzahlen jedoch nicht: Für etliche Bankprodukte bleibt es bei der Steuererklärung: Zum Beispiel müssen Anleger für manche Fonds weiterhin Zwischengewinne versteuern, etwa für Rentenfonds, die ihre Gewinne nicht jedes Jahr ausschütten, sondern wieder anlegen. "Die Zahl der Fälle wird groß sein", sagte Götz Weitbrecht, Steuerexperte der Deutschen Bank. Sein Kollege Joachim Zimmermann von HSBC Trinkaus & Burkhardt findet die Steuer auf Zwischengewinne absurd. "Diese Regeln sind in einer Abgeltungsteuer systemfremd", sagte er. "Der Fiskus bekommt die Steuer doch ohnehin, wenn der Fonds aufgelöst oder vom Anleger verkauft wird."

Die Steuer auf thesaurierte Gewinne dient dem Fiskus bisher dazu, sich seinen Anteil an jenen Gewinnen zu sichern, die während der Spekulationsfrist anfallen. Die einjährige Spekulationsfrist wird aber mit der Abgeltungsteuer abgeschafft.

Im Bundesfinanzministerium widerspricht man: "Noch eine geraume Zeit wird ein größerer Teil der Investmentanteile vor dem 1. Januar 2009 angeschafft worden sein", sagte ein Sprecher. Ohne Zwischengewinnbesteuerung bliebe er nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei. Dies spreche gegen die Überlegungen der Banken.

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