Telefonkosten sonst nicht absetzbar
Nachweispflicht geht vor: Steuerberater muss Mandanten nennen

Will ein Steuerberater berufliche Telefonate von der Steuer absetzen, muss er dem Finanzamt den Namen des Gesprächspartners mitteilen. Diese heikle Entscheidung hat jetzt das Finanzgericht Sachsen-Anhalt gefällt.

li DÜSSELDORF. Das Gericht stellte damit die steuerliche Nachweispflicht über die Pflicht des Beraters zur Verschwiegenheit in Angelegenheiten seiner Klienten.

Der klagende Steuerberater führte von den betrieblichen Telefonanschlüssen seiner Praxis auch Privatgespräche. Auf der Grundlage von "Erfahrungswerten" verbuchte er 22 Prozent der aktiven Telefongebühren im Festnetz-Bereich als privat veranlasst, die übrigen Kosten wollte er als Betriebsausgaben absetzen. Dabei spielte das Finanzamt jedoch nicht mit: Es schätzte den Anteil der Privatgespräche fast doppelt so hoch und forderte eine namentliche Auflistung der Gesprächspartner für die betrieblichen Telefonate, um sie mit Mandantenlisten abgleichen zu können. Dies verweigerte der Kläger und zog vor das Finanzgericht.



»So kommen Sie ohne Risiko zu Ihrem Recht: Großes Handelsblatt-Special zum Thema Prozessfinanzierung



Die Richter gaben jedoch dem Finanzamt Recht. Sie bestätigten, dass bei einem gemischt genutzten Telefonanschluss die Namen der Mandanten des Freiberuflers als Nachweis für den Betriebsausgabenabzug erforderlich seien. Entgegen der Ansicht des Klägers entbinde seine berufliche Schweigepflicht ihn nicht davon, Einzelaufzeichnungen über die beruflichen Gespräche jeweils mit Angabe des Mandantennamens zu erstellen und diese dem Finanzamt einzureichen. Zwar habe ein Mandant das berechtigte Interesse, dass seine Informationen nicht ohne seinen Willen offenbart würden, so die Richter. Dem stehe aber das mit Verfassungsrang ausgestattete öffentliche Interesse gegenüber, dass ausschließlich beruflich geführte Telefongespräche abgesetzt werden können. Die notwendige Güterabwägung gestalteten die Richtern so, dass zwar nicht die Inhalte von Gesprächen, wohl aber die Namen von Mandanten mitgeteilt werden müssen.

Das Gericht berief sich dabei auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Absetzbarkeit von Bewirtungskosten. Der BFH hatte erst kürzlich entschieden, dass ein Anwalt auf einer Rechnung über ein Geschäftsessen ebenfalls die Namen der Mandanten anzugeben hat, obwohl Anwälte eine berufliche Schweigepflicht trifft.

Aktenzeichen:
FG Sachsen-Anhalt: 1 K 371/02

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%