Test aller 572 Einkommensteuer-Finanzämter in Deutschland
Jeder siebte Steuerbescheid ist falsch

Bei der Qualität der Finanzämter in Deutschland gibt es gravierende Unterschiede - mit erheblichen Folgen für die Festsetzung der Einkommensteuer der Bürger. Dies hat jetzt der erste bundesweite Test aller 572 Finanzämter offenbart, den das Wirtschaftsmagazin "Capital' (Ausgabe 11/2004) durchgeführt hat.

HB BERLIN/KÖLN. Die neun Monate dauernde Untersuchung ergab: Ein einheitliches Vorgehen der Steuerverwaltung gibt es nicht, der Umgang mit den Bürgern, der Service und der Kenntnisstand über Gesetze, Urteile oder Erlasse ist von Amt zu Amt verschieden.

Fast 17 Prozent der Finanzämter heben sich nach der vom Bonner Wirtschaftsforschungsinstitut Europressedienst im Auftrag von 'Capital' durchgeführten Studie eindeutig negativ oder sogar sehr negativ vom großen Rest ab. Mehr als ein Dutzend von ihnen landete sogar im roten Bereich und wird im "Capital'-Ranking mit Minuswerten ausgewiesen. Das schlechteste auf Rang 572 ist mit einer Punktzahl von-21,38 Riesa in Sachsen, nur wenig besser präsentierten sich Koblenz in Rheinland-Pfalz (-18,78) und Altenburg in Thüringen (-14,29). Das am besten bewertete Finanzamt ist Hamburg-Harburg mit 49,25 Punkten. Auf den Rängen zwei und drei rangieren die Finanzbehörden im thüringischen Bad Salzungen (47,15) und im nordrhein-westfälischen Geldern (46,45).

Bei der Bewertung der Finanzämter nach Bundesländern können die Steuerzahler in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt mit einer qualitativ besseren Behandlung rechnen als ihre Nachbarn in anderen Bundesländern. Dagegen müssen die steuerpflichtigen Bürger in Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg als Schlusslicht mit insgesamt schlechter bewerteten Finanzämtern vorlieb nehmen.

Nach der "Capital'-Untersuchung ist deutschlandweit jeder siebte Steuerbescheid falsch. Einige Ämter ragen auch in dieser Beziehung negativ heraus und kommen auf eine Fehlerquote von bis zu 50 Prozent. Bearbeitungszeit bei knapp der Hälfte der Ämter länger als acht Wochen Kaum besser ist es um die Bearbeitungsdauer der Einkommensteuererklärungen bestellt. Im Schnitt verschickten nur 11,4 Prozent der Dienststellen einen Steuerbescheid bereits innerhalb von vier Wochen. Fast 40 Prozent der Finanzämter benötigten dafür zwischen vier und acht Wochen, knapp die Hälfte sogar länger als zwölf Wochen.

Wird allerdings vom Steuerzahler eine Frist versäumt, sind die Ämter sehr viel schneller bei der Sache: In diesen Fällen mahnen mehr als die Hälfte der Ämter nach spätestens 14 Tagen.

Der Test basierte vor allem auf 2 805 Fragebögen, die Berater in Steuerkanzleien und Lohnsteuerhilfevereinen ausfüllten, und die dann vom Europressedienst ausgewertet wurden. Die befragten Experten beurteilten Qualität, Kompetenz, Schnelligkeit sowie Kooperations- und Kommunikationsverhalten. Sie repräsentieren mehr als eine viertel Million Einkommensteuererklärungen. Abgerundet wird das Leistungsbild der Finanzämter durch 1 670 Testbögen von Privatpersonen aus allen Regionen, einen Service-Test sämtlicher Behörden mittels telefonischer Anfragen und die Überprüfung der Internet-Angebote der Behörden.

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