Tiefgreifende Modernisierung des HGB
HGB: Was die Bilanzreform bringt

Der Bundesrat hat letzte Woche die umfangreichste Reform des deutschen Bilanzrechts seit Jahrzehnten verabschiedet. Ziel des neuen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes ist es, das Handelsgesetzbuch internationalen Standards anzupassen. Viele der 800 großen und meist börsennotierten Kapitalgesellschaften bilanzieren schon danach, nicht aber Tausende von kleinen und mittelständischen Unternehmen.

BERLIN. Laut Florian Lechner, Steuerpartner und Bilanzrechtsexperte der Kanzlei Linklaters, nimmt der Bilanzierungsaufwand für die Unternehmen künftig grundsätzlich ab. Einzelkaufleute und kleinere Mittelständler befreit das Gesetz von der handelsrechtlichen Buchführungs-, Inventur- und Bilanzierungspflicht. "Kleine und mittlere Unternehmen können so mit den neuen Regelungen etwa komplexe Bewertungsprobleme und Dokumentationspflichten vermeiden", sagt Lechner. Das gelte aber auch für Kapitalgesellschaften wie AG und GmbH, für die es auch Befreiungen und Erleichterungen gebe. Für das Handelsblatt hat der Bilanzrechtsexperte die wichtigsten Änderungen zusammengefasst.

Experten gehen davon aus, dass die Unternehmen durch die Neuregelung Bilanzierungskosten von rund 1,3 Mrd. Euro sparen können. Aus dem Jahresbericht der Bundesregierung 2008 zum Bürokratieabbau ergibt sich sogar, dass sich unter zusätzlicher Berücksichtigung der Buchführungs- und Inventurerleichterungen nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ein Einsparpotenzial von etwa 2,5 Mrd. Euro jährlich ergibt.

Aufatmen während des Gesetzgebungsverfahrens konnten vor allem die mittelständischen Betriebe über die Nachricht, dass es für sie keine sogenannte Fair-Value-Regelung geben würde (Handelsblatt 12.2.2009). Union und SPD einigten sich noch kurz vor der Verabschiedung des Gesetzes nach Protesten von Verbänden und Bilanzrechtsexperten wie dem Wirtschaftsprofessor Karlheinz Küting darauf, die umstrittene Regelung zur Bewertung von Wertpapieren und Finanzanlagen zu Zeitwerten im deutschen Bilanzrecht zu streichen.

Diese Vorschrift aus der internationalen Rechnungslegung war unter anderem mitverantwortlich für hohe Milliardenverluste in den Bilanzen einiger Großbanken, die in der Regel nach internationalen Standards bilanzieren. Steuerrechtsexperten befürchteten, dass gerade mittelständische Unternehmen, die in der Regel nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren, in ihren ausgewiesenen Gewinnen und Verlusten zum Spielball stark schwankender Börsen werden könnten. Küting und Kollegen hatten sich deshalb vehement gegen die Einführung "systemfremder Elemente" gewehrt und dies als "Modeerscheinung" kritisiert. Breite Unterstützung fanden die Wissenschaftler auch deshalb, weil die Bewertung von Papieren zu Marktpreisen die weltweite Bankenkrise zuletzt verschärft hatte. Auch andere Expertengruppen, unter anderem Wirtschaftsprüfer, äußerten sich kritisch zur Einführung des Fair Value für den deutschen Mittelstand.

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