Unternehmenswert
Konzerne drücken die Steuerquote

Deutschlands Unternehmen arbeiten zunehmend an ihrer steuerlichen Performance. Der Grund: Studien haben gezeigt, dass sich über eine Veränderung der so genannten Konzernsteuerquote - der effektiven Steuerbelastung - der Unternehmenswert einfacher steigern lässt als über mühselige Umsatzerhöhungen.

DÜSSELDORF. Gestaltungstricks haben hier zu Lande dementsprechend Hochkonjunktur. "In Deutschland ist das Thema mittlerweile angekommen", sagt Eugen Bogenschütz, Steuerpartner in der Anwaltskanzlei Allen & Overy in Frankfurt. "Vor allem große Unternehmen sehen sich einem zunehmenden Steuerquotenwettbewerb ausgesetzt."

Ähnlich sieht das Dieter Heidemann, Partner im Münchener Büro der internationalen Anwaltskanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler. "Nicht nur alle Dax-Konzerne haben die Konzernsteuerquote in ihrem Focus, sondern auch große Mittelständler wie Oetker oder Henkel."

Unter Steuerquote versteht man das Verhältnis von Steueraufwand zu dem Gewinn vor Steuern, auch "Effective Tax Rate" genannt. Sie gibt, vereinfacht gesprochen, den tatsächlich gezahlten Ertragsteuersatz eines Konzerns wieder. Was sehr nach grauer Theorie klingt, ist für die Unternehmen jedoch von immenser praktischer Bedeutung. Kurz gesagt: Je besser die Steuerquote, desto besser der Aktienkurs.

Denn die Unternehmen betrachten Abgaben an den Fiskus zunehmend als Kosten - und deren Verhältnis zum Firmenergebnis als wichtigen Maßstab für den Wert des Konzerns. Kein Wunder, dass Analysten mittlerweile verstärkt dazu übergehen, die Konzerne an der Entwicklung ihrer Steuerquote zu messen - zumal die ihre Zahl seit Neuestem ganz augenfällig präsentieren müssen. Laut dem internationalen Regelwerk IFRS, nach dem börsennotierte Unternehmen in der EU von 2005 an bilanzieren müssen und dem sich viele andere Unternehmen anschließen, ist die Konzernsteuerquote im Jahresabschluss offen zu legen.

"Bei kapitalmarktorientierten Unternehmen vergleichen Analysten immer häufiger die Entwicklung der Konzernsteuerquote von Wettbewerbern und bringen ein schlechtes Abschneiden auf Analystenkonferenzen zur Sprache", schreiben Volker Stein und Jan Becker von der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) in einer Studie aus dem Jahr 2004. Anwalt Bogenschütz bestätigt das: "Da müssen sich die Vorstände dann fragen lassen, warum ihre Steuerquote 35 Prozent beträgt, während der Wettbewerber 25 Prozent vorweisen kann."

Veränderungen der Quote lohnen sich für die Firmen: Wie sich aus der PwC von Stein-Studie und Becker ergibt, erhöhte sich bei einer Absenkung der Quote um ein Prozent der Wert der untersuchten Unternehmen um 1,4 bis 2,3 Prozent. Wollte man dieses Ergebnis alternativ über den Umsatz erzielen, müsste die Umsatzsteigerung bei zwölf bis 15 Prozent liegen.

Seite 1:

Konzerne drücken die Steuerquote

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%