Verkehrte Welt für Anwälte
Käufer diktieren die Vertragsklauseln

Durch die Finanzkrise sind schlagzeilenträchtige, milliardenschwere Übernahmen seltener geworden. Finanzinvestoren, wie Fondsgesellschaften, sind vorsichtiger geworden und halten ihr Geld zusammen. Davon profitieren die verbliebenen Käufer. Bei Übernahmeverhandlungen können sie die Vertragsbedingungen bestimmen.

BERLIN. Die Finanzmarktkrise verändert für die Topkanzleien in Deutschland das milliardenschwere M&A-Geschäft grundlegend. Wie aus einer dem Handelsblatt vorliegenden Studie der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle hervorgeht, haben die Käufer bei Übernahmen mittlerweile eine sehr viel stärkere Verhandlungsposition bei den Verträgen. Die Verkäufer müssen angesichts der Finanzmarktkrise große Zugeständnisse bei Haftungshöchstgrenzen, Garantiezusagen oder Finanzierungssicherungen übernehmen. Die Konsequenz: Trotz sinkender Volumina der Käufe und Verkäufe steigen die Ansprüche an die Verträge und damit auch die Arbeit für die Anwälte.

Die Veröffentlichung der Studie kommt mehr als überraschend, da sich die Topkanzleien in Deutschland im Gegensatz etwa zu den USA gewöhnlicherweise über ihre Geschäfte vollkommen in Schweigen hüllen. Erstaunlich war schon, dass Michael Lappe, German Senior Partner von Linklaters, vor kurzem dieser Zeitung in einem Interview sagte: „Ganz aktuell bedeuten die existenziellen Probleme einiger Finanzinstitute für Linklaters und einige andere Spitzenkanzleien intensive Arbeit an komplexen Transaktionen oder Umstrukturierungen. Mittel- und langfristig ist aber keineswegs auszuschließen, dass Volumen, Wert und Komplexität des Transaktionsgeschäfts von einer stagnierenden oder gar rezessiven Realwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird.“

Brancheninsider berichten zudem schon seit einiger Zeit, dass die Transaktionen für die Spezialisten des M&A-Geschäfts wieder viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. Unternehmen würden verstärkt Wert darauf legen, dass die Kanzleien die Risiken sorgfältig prüfen. Zudem kommt es häufiger als früher zum Abbruch der Verhandlungen in einer sehr späten Phase.

Erstmals schlüsselt nun die Studie der Kanzlei CMS Hasche Sigle die genauen Zahlen aus 134 von der Kanzlei betreuten Deals auf. Die größte deutsche Anwaltssozietät mit mehr als 500 Anwälten wertete betreute Transaktionen in der Zeit zwischen Januar 2007 bis Juni 2008 in Deutschland aus. Insbesondere wurden typische Parameter der Transaktionsvereinbarungen, die sogenannten Deal-Points wie beispielsweise Kaufpreisklauseln, Garantien und Haftungshöchstgrenzen, unterschiedlicher Transaktionen kategorisiert und anschließend miteinander verglichen.

Dabei sind die Unternehmenskäufe und -verkäufe überwiegend der Industrie (27,6 %) zuzuordnen sowie den Dienstleistungen (21,6 %), Technologie & Media (19,4 %), den Bereichen Pharma, Energie, Finanzen und Versicherungen, Konsumgütern und Luxus.

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