Verlustvorträge
Mehr Gewinn nach Verlust

Verluste sind erst Verluste, wenn man sie realisiert - und genau das sollten Aktionäre jetzt überdenken. Denn mit einem einfachen Trick schlagen Anleger aus ihren heutigen Verlusten in Zukunft mehr Gewinn. Besondere Chancen haben Investoren in der Übergangszeit. Wer sie kennt, vermeidet Probleme mit dem Finanzamt.

HB DÜSSELDORF. Beim Blick in ihr Depot bekommen viele Anleger in Zeiten der Finanzkrise schlechte Laune. Der Dax hat sich binnen eines Jahres beinahe halbiert, bei einigen Einzelwerten sieht es noch mieser aus. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Wer Verluste innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist realisiert, schont seine zukünftigen Gewinne vor dem Zugriff des Fiskus.

Und das geht so: Ein Anleger kauft Mitte Juli 2008 Aktien der Deutschen Bank. Im Dezember ist das Papier nur noch die Hälfte wert, der Anleger hat 50 Prozent Verlust gemacht. Er verkauft die Aktien. In seiner Jahresbescheinigung weist die Hausbank das Minus aus. Der Investor macht den Verlust in seiner Einkommensteuererklärung geltend. Aktuell darf man innerhalb der Spekulationsfrist Verluste mit Gewinnen aus Aktien und Wertpapieren (Bonds) verrechnen.

Diese so genannten Altverlustvorträge gelten bis einschließlich 2013. Bis dahin billigt Finanzminister Peer Steinbrück übergangsweise eine Sonderregelung für die Altverluste. In der Übergangszeit haben Anleger mehr Möglichkeiten. "Altverluste aus Aktien verrechnen Investoren im Rahmen einer Veranlagung übergangsweise auch mit den Veräußerungsgewinnen aus Finanzinnovationen wie Zerobonds, Down-Rating-Anleihen, Indexanleihen oder Garantiezertifikaten", sagt Alexander Hagen, Rechtsanwalt und Steuerberater bei Allen & Overy LLP. Die zu verrechnenden Gewinne müssten jedoch aus Zeiten der Abgeltungsteuer stammen.

Allerdings ist bei den Altverlustvorträgen Vorsicht geboten. Wer an seine Investments glaubt, könnte angesichts der exorbitanten Verluste in diesem Jahr glatt auf eine pfiffige Idee kommen - und direkt nach dem Verkauf wieder einsteigen. Das kostet nicht nur Ordergebühren, im Ernstfall zahlen Anleger zusätzlich Lehrgeld.

"Das Finanzamt geht dann von Gestaltungsmissbrauch aus. Wer ohne einen wirtschaftlichen Grund Aktien innerhalb der Spekulationsfrist mit Verlust verkauft und sie sofort wieder kauft, der verschafft sich einen steuerlichen Vorteil", sagt der Frankfurter Steuerberater Herbert Zerwas, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG. Ohne einen wirtschaftlichen Grund sei dieses Vorgehen steuerlicher Missbrauch. "Die Frage ist derzeit beim Bundesfinanzhof anhängig", so Zerwas.

Die Gerichte bewerteten das Problem in der Vergangenheit unterschiedlich. Mal war für die Richter ein Wiedereinstieg am selben Tag in Ordnung, mal nach zwei Tagen, dann wieder sahen sie einen Missbrauch bei einem engen zeitlichen Zusammenhang. Ein Sprecher des Finanzministeriums teilte auf Anfrage mit, dass Anleger wegen dieser "unzulässigen Steuergestaltung" lediglich eine "steuerliche Nichtanerkennung" befürchten müssten.

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