Vermögensübertragung
Familien erwischt es eiskalt

Von wegen familienfreundlich: Wenn Familien aus Angst vor einer steigenden Erbschaftsteuer Immobilien oder Betriebsvermögen vorzeitig an die nächste Generation übertragen, drohen ihnen künftig steuerliche Einbußen.

Im Jahressteuergesetz 2008, das im August vom Kabinett verabschiedet wurde, haben die Koalitionäre ein beliebtes familiäres Steuersparmodell ins Visier genommen: die "Übergabe gegen Versorgungsleistung". Dabei verschenken Eltern ihr Vermögen an die Kinder und erhalten dafür eine monatliche Rente. Der bisherige Clou: Die Beschenkten dürfen die Zahlungen an ihre Gönner von der Steuer absetzen. Im Gegenzug müssen Rentenempfänger die familiären Versorgungsleistungen zwar versteuern. Doch weil Eltern als Ruheständler in aller Regel einen niedrigeren Steuersatz haben als die im Berufsleben stehenden Sprösslinge, ist ihre zusätzliche Steuerbelastung kleiner als die Ersparnis der Kinder.

"Die Familie kommt steuerlich meist deutlich günstiger weg", sagt Thomas Elser, Steuerberater in der Kanzlei Linklaters. Ab 2008 soll damit jedoch Schluss sein. Besonders ärgerlich: Auch längst erfolgte Übertragungen sind betroffen. In solchen Fällen sollen die vereinbarten Rentenzahlungen nur noch bis Ende 2012 absetzbar sein. "Ich halte das für verfassungswidrig", kritisiert Madeleine Heiß, Steuerberaterin in der Kanzlei Rödl & Partner. Die Betroffenen hätten mit ganz anderen steuerlichen Folgen geplant und würden jetzt "kalt erwischt". "Das Verfassungsgericht dürfte die Regelung kippen", meint auch Linklaters-Experte Elser.

Immobilienverbände und Vertreter der Wirtschaft hoffen auf den Bundestag, in dem der Gesetzentwurf erstmals am 20. September auf der Tagesordnung steht. Immerhin: Wer Anteile an Personengesellschaften oder Einzelunternehmen erhält, soll weiter in den Genuss des Steuervorteils kommen. Davon profitieren aber "nur 20 Prozent" der Nachfolger, schätzt Heiß. In den meisten Fällen würden Anteile an GmbH?s, Aktiengesellschaften oder Immobilien übergeben.

Wehrlos sind Familien den Steuerplänen jedoch nicht ausgeliefert. Wer noch vor Silvester schenkt, kann seinen Nachkommen immerhin für fünf Jahre den Steuerabzug sichern. Zudem gibt es alternative Übergabemodelle, die ebenfalls einen Steuerkick bieten - etwa den Familienkredit. Dabei geben Eltern ihren Nachkommen ein Darlehen, und diese kaufen mit dem Geld den Familienbetrieb oder eine Immobilie der Eltern. Die an ihre Gönner gezahlten Kreditzinsen können sie dann von der Steuer absetzen. "Dieses Modell führt oft zu ähnlichen steuerlichen Ergebnissen wie die Übergabe gegen Versorgungsleistung", sagt Elser. Bei einer Immobilie wichtig: Kinder müssen sie vermieten, damit die Strategie funktioniert.

Der Bundesfinanzhof hat sich in den vergangenen Jahren großzügig gezeigt und in mehreren Urteilen klargestellt: Wenn die Konditionen des familiären Kredits "fremdüblich" sind, müssen Finanzämter ihn anerkennen. Verwandte dürfen ihre Verträge untereinander steuerlich optimal gestalten, so die Richter.

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