Verschärfte Jagd nach Steuersündern: Sturm im Steuerparadies

Verschärfte Jagd nach Steuersündern
Sturm im Steuerparadies

Seit kurzem können deutsche Steuerfahnder in anderen EU-Ländern leichter nach Konten und Depots suchen. Das trifft vor allem Konten in Österreich und zwingt Steuerflüchtlinge zum Umdenken. Ein Albtraum für Schwarzgeldsünder.

Essen-Altendorf, Gewerbegebiet "In der Hagenbeck". Zwischen S-Bahnhof und Bolzplatz arbeiten die Männer, vor denen tausende Anleger und Unternehmer in der Ruhrstadt zittern: Essens Steuerfahnder. "Finanzamt für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung" steht an dem wuchtigen Backsteinhaus, das genauso schwerfällig wirkt wie der altersmüde Paternoster im Inneren. Das Büro von Chef-Fahnder Hans-Joachim Hesse ist nüchtern eingerichtet, mit schlichten Aktenschränken und einem Schreibtisch mit Kunststoffplatte. Hesse selbst ist ein gutmütiger Mann Ende Fünfzig, die Haare kurz geschnitten.

Der Eindruck von Schwerfälligkeit und Langeweile täuscht gewaltig. Mit Eifer spürt Hesses Team Steuersündern nach. Künftig mehr denn je: Eine neue Vorschrift soll ihnen die Arbeit von dieser Woche an erleichtern, "davon erhoffen wir uns einiges", schwärmt Hesse. Deutschlands Steuerfahnder dürfen von jetzt an in fast der gesamten EU Konten und Depots von Verdächtigen abfragen - auch im Steuerparadies Österreich.

Die neuen Regeln für die Zusammenarbeit zwischen Behörden in der EU sehen es so vor, und sie gelten vom 2. Februar 2006 an. Hesse bereitet gerade eine Schulung dazu vor, er will seine Fahnder auf die neue Ära vorbereiten.

Kaum ist der Protest über die seit April 2005 erlaubte Kontenabfrage im Inland verhallt, müssen auch Banken in den Nachbarstaaten den Fahndern auf Anfrage mitteilen, welche Konten und Depots ein Verdächtiger in ihrem Land unterhält. Kommt dabei verheimlichtes Vermögen zum Vorschein, bekommen Fahnder auch Details wie den Kontenstand und eine Liste bisheriger Geldtransaktionen. Ein Albtraum für Schwarzgeldsünder.

Wer wegen der geplanten Reichensteuer oder den angekündigten strengeren Steuerregeln für Aktiengewinne mit einem Geldtransfer ins Ausland liebäugelte, muss umdenken. Anleger sollten wissen, wo die Gefahren besonders hoch sind, wie sie ihr Erspartes ganz legal steueroptimiert anlegen und was sie machen können, wenn sie Schwarzgeld im Ausland gebunkert haben.

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