Versicherung
Privatkassen: Arztrechnung als Steuerfalle

Ab 2010 sind Krankenkassenbeiträge von der Steuer absetzbar. Privatversicherte müssen dann ganz genau rechnen, ob sich eine Beitragsrückerstattung lohnt. Wie der Fiskus ab dem kommenden Jahr die Steuerlast der Versicherten berechnet - und was Kunden wissen sollten, um die große Abzocke zu vermeiden.
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DÜSSELDORF. Die gute Nachricht ist weitgehend bekannt: Krankenversicherungsbeiträge können ab 2010 größtenteils von der Steuer abgesetzt werden. Doch Risiken und Nebenwirkungen treten erst allmählich zutage.

So wird es für Privatversicherte künftig wesentlich schwieriger zu entscheiden, ob sie Arztrechnungen einreichen oder eine Beitragsrückerstattung in Anspruch nehmen sollen, die viele Privatversicherer ihren Kunden anbieten, wenn diese ein Jahr lang keine Leistungen beansprucht haben. Denn selbst bezahlte Rechnungen mindern nicht die Steuer, eine Beitragsrückerstattung senkt hingegen die abzugsfähigen Sonderausgaben. "Im Zweifel lohnt es sich, einen Steuerberater zu fragen", sagt Steuerexperte Florian Reuther vom Verband der Privatkassen.

Bislang ist es für jeden Versicherten günstiger, Arztrechnungen so lange aus der eigenen Tasche zu bezahlen, wie die Summe geringer als eine Beitragserstattung ist. Künftig rechnet der Fiskus jedoch so: Zahlt ein Steuerpflichtiger 7 200 Euro pro Jahr an seine Krankenkasse, werden zunächst die Prämien für das Krankengeld herausgerechnet. Dann wird ermittelt, wie hoch die Prämie für einen mit den Leistungen der GKV vergleichbaren Basisschutz ist, beispielsweise 5 400 Euro. Dieser Betrag wird bei Angestellten um den Arbeitgeberbeitrag gekürzt; es verbleiben 2 700 Euro, die in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden dürfen.

Bekommt der Versicherte 1 800 Euro Beitragsrückerstattung, wird ermittelt, welcher Teil davon auf den Basisschutz entfällt und welcher nicht. Entsprechend wird dann der zum Sonderausgabenabzug zugelassene Betrag gekürzt, da der Fiskus nur das anerkennt, was auch wirklich gezahlt wurde.

Zwar übernimmt es die Krankenkasse, sowohl die Prämien als auch die Rückerstattungen in Basis- und Wahlleistung aufzusplitten, doch die steuerlichen Konsequenzen ausrechnen, muss jeder selbst. Je nach persönlichem Steuersatz ist es sinnvoll, auch dann Rechnungen zur Erstattung einzureichen, wenn sie insgesamt unter dem Niveau einer möglichen Beitragsrückerstattung zurückbleiben.

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