Vier Männer angeklagt
Prozess gegen Bankerpresser wird vertagt

Vor dem Rostocker Landgericht hat am Freitag der Prozess wegen einer millionenschweren Erpressung der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) begonnen. Angeklagt sind vier Männer zwischen 41 und 50 Jahren, die sich 2005 mehr als 2 300 Daten von LLB-Kunden verschafft und damit von der Bank neun Mill. Euro erpresst haben sollen.

ap ROSTOCK. Bei den Daten handelte es sich laut Bank um Belege, die einen kleinen Teil der deutschen Bankkunden mit Namenkonten betreffen. Die vier Angeklagten bekamen die Daten laut Staatsanwaltschaft von einem ehemaligen Mitarbeiter der LLB, der diese gestohlen hatte. Zunächst hätten die Männer versucht, vier Bankkunden direkt zu erpressen, indem sie drohten, die Informationen an deutsche Steuerfahnder zu übergeben. Es sei jedoch in keinem Fall zu einer Geldübergabe gekommen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten seien auch an die Bank herangetreten, die im August 2005 und im August 2007 für die ersten 1.600 Kontenbelege rund neun Millionen Euro zahlte. Vor der für August 2009 geplanten dritten Übergabe wurde die Bande festgenommen.

Zunächst verzögerte sich die Verlesung der Anklage, weil die Verteidigung zahlreiche Anträge stellte. Unter anderem sieht sie einen der Angeklagten als nicht verhandlungsfähig an. Die Sitzung wurde zunächst unterbrochen. Nach Handelsblatt-Informationen soll der Prozess am Mittwoch (16.04.) fortgesetzt werden.

Die Anklage lautet auf gewerbs- und bandenmäßige Erpressung in fünf Fällen. Für jeden Einzelfall droht eine Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren. Zunächst sind sechs Verhandlungstermine angesetzt. Beobachter gehen allerdings von einer längeren Prozessdauer aus.

Noch Daten im Besitz der Erpresser

Unklar ist laut Staatsanwaltschaft, welche und wie viele Kundendaten sich noch im Besitz der Angeklagten befinden. Mindestens seien es die noch nicht übergebenen 700 Daten. Es habe Gespräche mit der Verteidigung dazu gegeben, die offenbar versucht, damit eine Strafminderung zu erwirken. Laut Staatsanwaltschaft könnte sich das Zurückhalten der Daten jedoch eher strafverschärfend auswirken.

Unterdessen erklärte die LLB, sie bedaure die Vorfälle und werde auch in Zukunft alles daran setzen, ihre Kunden zu schützen. Vor dem Prozess habe sie mit den Anklagebehörden kooperiert und mit einem Großteil der betroffenen Kunden die Angelegenheit individuell besprochen.

Der Rostocker Prozess steht nicht im Zusammenhang mit dem Ankauf gestohlener Daten der Liechtensteiner LGT-Bank durch den Bundesnachrichtendienst und den Durchsuchungen beim ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel.

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