Virtuelle Versteigerungen nehmen zu – Käufer sollten die juristischen Fallstricke kennen
Immobilienerwerb per Internet birgt Risiken

Auf der Jagd nach dem ultimativen Schnäppchen bietet das Internet scheinbar grenzenlose Möglichkeiten. Waren es bislang vor allem Gegenstände des täglichen Bedarfs wie Elektroartikel und Autos, die über Ebay & Co. versteigert wurden, sind es jetzt sogar Immobilien, die per Mausklick den Besitzer wechseln.

GARMISCH. Jüngstes Beispiel: Eine durchschnittliche Wohnungseigentumsanlage in Bonn-Bad Godesberg, in welcher Papst Benedikt XVI. zwischen 1959 und 1963 wohnte - Preis 900 000 Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Papst-Fan zuschlägt, ist groß. Denn dessen ehemaliger Dienstwagen, ein ganz normaler VW Golf, wechselte bereits via Ebay den Besitzer - für unglaubliche 188 000 Euro.

Doch während die Juristen für Versteigerungen beweglicher Sachen via Internet mittlerweile Regeln gefunden haben, schlagen sie bei Immobilien Alarm: "Juristisch gesehen ist das Wort ,Versteigerung? bei Immobilienauktionen im Internet reine Augenwischerei", bemängelt Andrea Lichtenwimmer, Pressesprecherin der Landesnotarkammer Bayern. Der Grund: Wer das Höchstgebot abgibt und danach den Zuschlag erhält, ist noch längst kein Eigentümer der Immobilie. Denn nach wie vor muss der eigentliche Kaufvertrag vor einem Notar beurkundet werden. Werden die Verhandlungen abgebrochen, haben sowohl der Anbieter als auch der Ersteigerer keinen Anspruch auf Durchführung des Geschäftes.

Da es beim Kauf einer Immobilie meist um viel Geld geht, empfehlen die Notarkammern deshalb, Internetangeboten ein gesundes Maß an Skepsis entgegenzubringen. Einerseits tummelten sich auf diesem Markt unseriöse Anbieter; andererseits werde der Weg über eine Internetversteigerung seitens der Anbieter oft auch nur deshalb gewählt, weil die Immobilie auf dem regionalen Markt nicht oder nur gegen erheblichen Preisabschlag an den Mann zu bringen sei.

Andererseits ist es natürlich verlockend, vom PC aus eine Immobilie zu ersteigern, ohne die sonst lichen administrativen Wege gehen zu müssen. "Beim Verbraucher sollten aber spätestens dann die Warnlampen aufleuchten, wenn er eine Ersteigerungsvollmacht schriftlich abgeben soll, ohne dass vor der Versteigerung eine persönliche Beratung durch einen Notar vorgesehen ist", warnt Lichtenwimmer. Denn nach dem Beurkundungsgesetz soll der Verbraucher durch den persönlichen Termin beim Notar sowie eine vorgeschaltete 14-tägige "Cooling-Off"-Periode ausreichend Überlegungszeit eingeräumt werden. Zu diesem Zweck sendet der Notar dem Erwerber den Kaufvertragsentwurf bereits 14 Tage vor dem Beurkundungstermin zu. Der Haken dabei: "Das Recht lässt Gestaltungen zu, die den Verbraucher schon weit vor dem Termin in die Bindung schlittern lassen", so Lichtenwimmer.

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