Voller Abzug
Welche Räume nicht als häusliches Arbeitszimmer zählen

Ein externes Büro ist steuerlich kein Problem. Schwierig wird es bei Anbauten, Keller- oder Dachgeschossräumen. Wie der Bundesfinanzhof die Sache sieht.

Unter einem häuslichen Arbeitszimmer versteht die Finanzrechtsprechung einen Arbeitsraum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient. Zur häuslichen Sphäre rechnet ein derart genutzter Arbeitsraum immer dann, wenn er unmittelbar und ohne besondere räumliche Trennung zur Wohnung oder zum Haus gehört. Handelt es sich dagegen bei den ausschließlich beruflichen Zwecken dienenden Räumlichkeiten um ein "außerhäusliches Arbeitszimmer", dürfen die Kosten auch in Zukunft in voller Höhe von der Steuer abgezogen werden. So musste der BFH in den letzten Jahren unter anderem folgende Zweifelsfälle entscheiden:

Anbau am Einfamilienhaus : Im Urteil vom 1 3. November 2002 (VI R 164/00) behandelte der BHF einen Anbau an einem Einfamilienhaus als häusliches Arbeitszimmer. Weil der Anbau nur über den zum Wohnhaus gehörenden Garten betreten werden konnte, war nach Ansicht der Richter trotz jeweils eigener Briefkästen, Klingelanlagen und Sanitärräume keine ausreichende räumliche Trennung zwischen Arbeitszimmer und Wohnraum gegeben.

Anmietung durch Arbeitgeber: An den Arbeitgeber vermietete Räume der eigenen Wohnung stellen kein häusliches Arbeitszimmer dar. Die Mietzahlungen gehören nicht zum Arbeitslohn, sondern führen beim Arbeitnehmer zu Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Sofern der Mietvertrag mit unter fremden Dritten üblichen Bedingungen und einem Mietzins von nicht weniger als 75 Prozent der ortsüblichen Marktmiete geschlossen wird, müssen die Finanzämter nach dem BFH-Urteil vom 20. März 2003 (VI R 147 /00) Verluste selbst über längere Zeiträume akzeptieren.

Dachgeschossräume in Mehrfamilienhäusern: Dachgeschossräume in Mehrfamilienhäusern fallen als außerhäusliche Arbeitszimmer nach dem Urteil vom 18. August 2005 (VI R 39/04) dann nicht unter die Abzugsbeschränkung, wenn der Zutritt nur über ein auch von fremden Dritten benutztesgemeinsames Treppenhaus möglich ist.

Kellerräume: Zusätzlich zur eigenen Privatwohnung und dazu gehöriger Abstellräume angemietete Kellerräume in Mehrfamilienhäusern gelten nach dem BFH-Urteil vom 26. Februar 2003 (VI R 160/99) ebenfalls als außerhäusliche Arbeitszimmer. Bei Kellerräumen in Einfamilienhäusern droht wiederum die Abzugsbeschränkung, selbst wenn dort ausschließlich Bücher und Akten aufbewahrt werden und für die eigentlichen Arbeiten ein weiterer Raum als häusliches Arbeitszimmer zur Verfügung steht (BFH-Urteil vom 19. September 2002 - VI R 70/01).

Weitere Wohnung in Mehrfamilienhäusern: Auch auf der gleichen Etage zusätzlich an gemietete Arbeitsräume in Mehrfamilienhäusern stellen nach zwei BFH-Entscheidungen vom 26. Februar 2003 wegen der unmittelbaren räumlichen Nähe zur Privatwohnung häusliche Arbeitszimmer dar. Und zwar unabhängig davon, ob die als Arbeitsraum genutzte zusätzliche Wohnung an die Privatwohnung angrenzt (Aktenzeichen VI R 124/01) oder auf der gleichen Etage unmittelbar gegenüberliegt (Aktenzeichen VI R 125/01).

Quelle: Creditreform, 12/2006.

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