Vontobel und der frühere Bayern-Präsident
Hoeneß-Banker auf der Flucht

Jürg H. war in Polen festgenommen worden, weil er Uli Hoeneß bei der Steuerhinterziehung geholfen haben soll. Jetzt sei dem Schweizer Banker eine „abenteuerliche“ Flucht geglückt. In der Heimat wird er dafür gefeiert.
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Zürich/DüsseldorfEin Banker auf der Flucht: Jürg. H, einer der Direktoren der Schweizer Privatbank Vontobel, soll vor der deutschen Justiz geflohen sein. Erst Ende Oktober war H. im Zusammenhang mit dem Steuerprozess gegen Uli Hoeneß, den früheren Präsidenten des FC Bayern München, in Warschau festgenommen worden. Nun berichten Schweizer Medien, der Banker habe sich aus Polen abgesetzt. Ein Sprecher der Bank Vontobel in Zürich bestätigte dem Handelsblatt, dass sich H. in der Schweiz aufhalte.

Jürg H. war Devisenchef der Privatbank. Er führte die Geschäfte aus, die Hoeneß telefonisch in Auftrag gab. Nach Meinung deutscher Behörden soll der 61-Jährige wesentlichen Anteil daran gehabt haben, dass Hoeneß mehr als 28 Millionen Euro an Steuern hinterziehen konnte. H. soll die Verheimlichung der Geschäfte vor dem deutschen Fiskus ermöglicht beziehungsweise wesentlich erleichtert haben. Er soll Beihilfe zur Steuerhinterziehung in sieben Fällen geleistet haben, so der Vorwurf.

Hoeneß war im März dieses Jahres wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Grundlage für das Urteil waren unter anderem die umfassenden Protokolle zu den zahlreichen Devisentransaktionen.

H. ist mit einer Polin verheiratet und hielt sich öfter in der gemeinsamen Zweitwohnung in Warschau auf. Die Staatsanwaltschaft München II hat die Festnahme von H. am 22. Oktober bestätigt. Zu weiteren Details oder einer möglichen Flucht wollte die Behörde am Dienstag auf Anfrage des Handelsblatts keine Angabe machen.

Gegen eine Kaution von rund 240.000 Euro soll H. zunächst auf freien Fuß gekommen sein, verbunden mit der Auflage, sich jeden zweiten Tag bei der polnischen Polizei zu melden. Außerdem habe er seinen Reisepass abgeben müssen. Der Banker habe daraufhin einen „abenteuerlichen Plan“ gefasst, berichtet der Schweizer Branchendienst „Inside Paradeplatz“. Er sei „auf dem Landweg“ aus Polen zurück in die Schweiz geflohen. Er habe sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen wollen.

Kommentare zu " Vontobel und der frühere Bayern-Präsident: Hoeneß-Banker auf der Flucht"

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  • Ich bin stolz auf Deutschland. Endlich einmal zeigen wir klare Kante. Das ganze Blut was am Schweizer Bankgeheimnis klebt, reicht vermutlich um den Bodensee zu füllen.
    Jeder Terrorist, Diktator oder Kriminelle wie "Hoeneß" hat ein Konto in der Schweiz, und der normal Malocher zahlt in Deutschland die Steuern.

  • Da er sich nicht strafbar gemacht hat - weder in der Schweiz noch im Rest der Welt - außer im sonderbaren Land namens Deutschland - hat er frei leben zu können wie jeder andere.

    Noch - das war ja schon mal anders - hat Deutschlands Administration gottseidank anderswo nichts zu sagen.
    Das möge bitte so bleiben.

  • Zitat: "Warum erscheint da ein Bild von Hoeness...?"
    Ist doch klar, wer hier in erster Linie getroffen werden soll. Es würde selbst dann sein Bild verwendet, wenn während seiner Abwesenheit in seiner Wohnstraße ein Unfall passiert oder dort ein Hund entläuft!

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