Vor dem Urteil
Die große Last des Hoeneß-Richters

Heute wird das Urteil gesprochen. Der Prozess hätte für Uli Hoeneß kaum schlechter starten können. Eine Haftstrafe schien unumgänglich. Doch nun darf der Bayern-Boss wieder hoffen. Welche Optionen Richter Heindl hat.
  • 10

DüsseldorfUli Hoeneß hat dem Fiskus 27,2 Millionen Euro vorenthalten. Darüber scheint kein Zweifel mehr zu bestehen. Eine Steuerfahnderin hat die Summe anhand neuer Unterlagen berechnet und am Dienstag vor Gericht vorgetragen. Am Mittwoch dann haben sowohl das Gericht als auch die Verteidigung die Höhe der Schuld akzeptiert.

Mit der Einigkeit über die Höhe der Steuerschuld drängt sich für den vierten und geplant letzten Prozesstag aber eine andere Frage in den Vordergrund, nämlich, ob die Selbstanzeige von Hoeneß am Ende gültig war oder nicht. Nachdem am Dienstag noch vieles für eine langjährige Haftstrafe des Beschuldigten sprach, ist seit Mittwoch plötzlich wieder ein Freispruch denkbar.

Tatsächlich sind jetzt verschiedene Varianten möglich: Entweder das Gericht kommt über Nacht zu dem Schluss, dass die höhere Steuerschuld bereits aus der ursprünglichen Selbstanzeige hätte deutlich werden können. In einem solchen Fall läge der Fehler bei der Staatsanwaltschaft, die es innerhalb eines gesamten Jahres nicht geschafft hätte, die Daten richtig zu lesen.

Die Nacherklärung wäre dann wirksam – und Hoeneß könnte sogar frei kommen. Alternativ könnte der vorsitzende Richter Heindl aber auch von einer unvollständigen und somit unwirksamen Steuernacherklärung ausgehen – Hoeneß drohten dann bis zu zehn Jahren Haft.

Das Gericht wolle den verbleibenden Mittwoch nutzen, um erneut die Unterlagen zu sichten, hieß es nach Ende des dritten Prozesstags. Der ehemalige Steuerfahnder und Fachanwalt für Steuer- und Strafrecht, Michael Weber-Blank, formuliert es etwas plastischer:

„Ich gehe davon aus, dass sich die drei Berufsrichter jetzt zusammensetzen, sämtliche Excel-Tabellen mit Daten und Zahlen an die Wand pinnen, um genau zu verstehen, was die Staatsanwaltschaft bereits im Januar 2013, auf Grundlage der ursprünglichen Selbstanzeige, hätte wissen können.“

Seite 1:

Die große Last des Hoeneß-Richters

Seite 2:

Form der Selbstanzeige gesetzlich nicht vorgeschrieben

Kommentare zu " Vor dem Urteil: Die große Last des Hoeneß-Richters"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Als Bayernfan muss ich sagen, hoffe ich das er möglichst unbeschadet wieder seine Arbeit für den FCB erledigen kann! Als gschädigter Deutscher bin ich der Ansicht, das er im vollem Umfang büßen muss! Nur hat er Geld vorenthalten, finde ich persönlich als nicht genug für eine Freiheitsstrafe! Eher finde ich, dass er nicht die Steuerlast begleichen sollte sondern alles Geld auf das er keine Steueren gezahlt hat, alsalles Geld, das er nicht in seiner Steuererklärung angegeben hat. Wären dann über 100 io.€! Vor allem ostet der uns Geld im Gefängniss und kwird bkommen weniger Steuern weil der nicht arbeitet.

  • Warum befindet sich der Steuerverbrecher Hoeneß im Gerichtssaal nicht hinter Glas und in Handschellen ? Er hat Hunderte von Millionen auf dem Konto und lacht sich innerlich halbtot.

  • Es ist schon merkwürdig, viele Personen sagen, dass Herr Hoeneß viel Gutes bewirkt und sich sozial eingebunden hat. Dem ist auch nichts entgegenzusetzten und es ist auch gut so. Ich wäre genauso sozial und würde vielen Menschen etwas Gutes tun, wenn ich selbst hunderte Millionen auf meinem Bankkonto hätte. Im Verhältnis bin ich es eigentlich auch, ich habe neulich einem Bettler 5€ gegeben, habe selbst 1000 € auf dem Konto, naja dann werde ich doch auch mal Straffrei ausgehen, sollte ich mir was zu schulden kommen lassen. Bin doch ein guter Mensch!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%