Votum
Kommentar: Neue Hoffnung für Zweitehen

Das Leben geht auch nach einer Scheidung weiter. Mit dieser vorweihnachtlichen Botschaft hat das Bundesverfassungsgericht all denjenigen Unterhaltsschuldnern Mut zugesprochen, die es ein zweites Mal versuchen mit der Ehe.

Es gehe nicht an, kritisieren die roten Roben aus Karlsruhe in einem neuen Urteil, dass die Zivilgerichte den Willen des Gesetzgebers brechen und die Förderung der Zweitehe wieder rückgängig machen - indem sie den Splittingvorteil einfach auf die Ex-Frau umverteilen. Schließlich soll die Familie da gefördert werden, wo sie auch gelebt wird.

So ermutigend dieses höchstrichterliche Machtwort auch sein mag: die plakative Markwortsche Headline im Focus "Neue Heirat lohnt sich!" darf Mann nicht allzu wörtlich nehmen. Denn noch gilt in unserer Gesellschaft beim Geschiedenenunterhalt in der Regel ein "Lebenslänglich". Die finanzielle Erleichterung, die das Bundesverfassungsgericht jetzt gebracht hat, mag den Zweitehen ein paar schöne zusätzliche Urlaubstage bescheren. Angesichts der verbleibenden Unterhaltslasten sind sie aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Allerdings: Die neue Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts lässt zumindest hoffen - könnte sie doch Auftakt zu einer Trendwende sein, den unbestreitbaren Auswüchsen bei der Unterhaltslast ein Ende zu bereiten. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat auf dem diesjährigen Familiengerichtstag in Brühl angekündigt, im Unterhaltsrecht Gerechtigkeitslücken schließen zu wollen. Nach dem Spruch aus Karlsruhe betrifft das jetzt vor allem Zweitehen mit eigenen Kindern. Hier ist es einfach nicht einzusehen, warum die Exfrau beim Unterhalt zu Gunsten der neuen Familie nicht Abstriche hinnehmen sollte.

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