Wann Schluss ist mit Unterhalt
Scheidungsrecht: Worauf es im Ernstfall ankommt

Eine Scheidung kann auch finanziell sehr schmerzlich sein. Dem Expartner stehen oft ein Großteil des Ersparten und lange Jahre Unterhalt zu. Worauf es im Ernstfall ankommt.
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Nach der Niederlage bei den Berliner Senatswahlen vor zwei Wochen war dem CDU-Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger jetzt zumindest ein privater Erfolg vergönnt. Am Mittwoch vergangener Woche wies das Berliner Kammergericht die Berufung seiner Exfrau Margarita Mathiopoulos zurück. Die Politologin hatte gefordert, er solle Rentenansprüche von 380 000 Euro an sie abtreten oder auf jene 157 000 Euro verzichten, die sie ihm laut Familiengericht Tempelhof zahlen muss, weil sie während der Ehe mehr verdient hatte als er - soweit die Abrechnung nach 19 Ehejahren.

Mehr als 200 000 Ehen enden jährlich vor dem Scheidungsrichter, in rund 30 Prozent der Fälle geht es ums Geld. Gerade wenn einer der beiden vermögend und gutverdienend ist und das vermeintliche Eheglück lange währte, stehen hohe Summen zur Debatte. Bitter: Oft bleibt selbst Erfolgsverwöhnten nach der Teilung von Vermögen und Rentenansprüchen sowie den zu leistenden Unterhaltszahlungen nur noch wenig Geld, um eine neue Familie zu gründen. Zudem fallen Steuervorteile weg, Anwalts- und Gerichtskosten sowie Ausgaben für eine neue Bleibe belasten das Konto. Müssen wegen Geldmangels Immobilien oder Lebensversicherungen mit Verlust verkauft werden, ist das finanzielle Desaster da.

Ist absehbar, dass Justitia und nicht der Tod ein Paar scheidet, empfiehlt sich beizeiten ein Kassensturz. Er klärt, welche Ausgaben künftig unabwendbar werden und welche nicht.

Ist die Scheidung beschlossene Sache, müssen die Partner in der Regel erst das obligatorische Trennungsjahr absolvieren. Bei friedfertigen Gemütern reicht es in getrennte Bereiche der gemeinsamen Wohnung zu ziehen. Nach dem Jahr darf der Scheidungsantrag am Familiengericht gestellt werden - ohne Gerichtsurteil geht es nicht. Im Scheidungsverfahren regeln die Richter, wie Vermögen und Rentenansprüche aufgeteilt werden (Zugewinn- und Versorgungsausgleich), wie viel Unterhalt dem kinderbetreuenden Partner zusteht und wie viel Unterhalt die Kinder bekommen. Bei einvernehmlichen Scheidungen können die Partner wichtige Punkte, etwa den Unterhalt, vorab klären und so das Verfahren beschleunigen.

Ist nichts anderes vereinbart, leben Ehepartner automatisch in einer Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet: Wer während der Ehe mehr auf die Seite gelegt hat, muss dem Expartner im Rahmen des sogenannten Zugewinnausgleichs einen Teil seines Vermögens abtreten. Dazu berechnen die Scheidungsrichter bei beiden Eheleuten den Zugewinn, also die Differenz zwischen ihrem Vermögen am Anfang und am Ende der Ehe. Beträgt wie in der Beispielrechnung auf Seite 159 der Zugewinn des Mannes 156 500 Euro und der der Frau 124 000 Euro, muss er ihr die Hälfte der Differenz zahlen, hier 16 250 Euro.

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