Warum die Schweiz sich harter Angriffe erwehren muss
Die sieben Leben des Bankgeheimnisses

Falls es bei der Euro 08 zum Spiel zwischen Deutschland und der Schweiz kommt, wird das Match für die Deutschen hart. Sie sind derzeit im Nachbarland nicht außerordentlich wohlgelitten. Der Grund ist klar: Das offizielle Deutschland hat das Schweizer Bankgeheimnis ins Visier genommen, und da lassen die Eidgenossen nicht mit sich spaßen.

ZÜRICH. Rückblende. Brüssel, Treffen der Finanzminister der EU, vergangene Woche: Der deutsche Ressortchef Peer Steinbrück hat im Vorfeld seinem Ärger Luft gemacht. Der Steuerstreit mit Liechtenstein, so hat er festgestellt, sei nur die eine Seite der Medaille. "Wir reden auch über die Schweiz und Österreich", fügte er hinzu, und die Brüssler Runde konnte sich darauf einstellen, was kommt.

Dem Deutschen ist jene Form des Bankgeheimnisses ein Dorn im Auge, das seinen Finanzbeamten Einblicke in die Vermögenslage deutscher Kunden bei Schweizer Banken verwehrt. Seit den neuesten Steuerflucht-Fällen in Liechtenstein können die Ministerkollegen dieser Haltung einiges abgewinnen. Die Runde beschließt trotz Widerstand von ebenfalls betroffenen Ländern wie Österreich und Luxemburg, einen Bericht der EU-Kommission über Steuerschlupflöcher früher zu verlangen.

Zürich, ein unscheinbares Hochhaus am Rande der Innenstadt: Hier hat Thomas Borer sein Büro. Der ehemalige Schweizer Botschafter in Berlin ist heute Lobbyist für ausländische Firmen und Investoren, die in der Schweiz Fuß fassen und dabei nicht zuletzt Steuern sparen wollen. Er gibt auch gerne Interviews. Jetzt sagt er: "Es ist offensichtlich, dass eine Lawine auf die Schweiz zukommt." Es müsse, fügt er mit Blick aufs Bankgeheimnis hinzu, "vom Schlimmsten ausgegangen werden".

Freitagabend, Zürich-Wallisellen, Studio des Schweizer Fernsehens: Die Polit-Show "Arena" wird aufgezeichnet. Eingeladen heute: Hans Eichel, SPD-Bundestagsabgeordneter ohne herausragende Aufgaben und deswegen vor allem ehemaliger deutscher Finanzminister. Eichel ist derzeit der meistzitierte Deutsche im Nachbarland, weil er Schweizer Interviewpartnern so schön klare Sätze in den Block diktiert: "Es geht um den einfachen Sachverhalt, dass die Schweiz sich zwischen die Steuerflüchtlinge eines anderen Staates und dessen Rechtsorgane stellt, die diese Kriminalität verfolgen."

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